|
aus: HERMANN
ALTHAUS |
Der
Bildstock an der Zartener Straße:
Die Herren von Kageneck
Einsam am Straßenrand und gerade noch verschont vom Neubau der
ortsverbindenden Straße steht, umgeben von einem
schmiedeeisernen Gatter, auf dem Grund des „Rotebur“ Johann
Zipfel an der Zartener Straße ein 3,80 m hoher neugotischer
Bildstock mit einem eingelegten Alabasterrelief, das die
Gottesmutter Maria an der Bahre ihres vom Kreuze abgenommenen
Sohnes darstellt. Sowohl in der Ausführung (Dettlinger
Freiburg) als auch durch die Gestaltung, zieht dieses
„Marterl“ den kurzen Blick des Vorbeifahrenden auf sich. Man
vermutet einen „adligen“ Hintergrund. Warum steht dieses
Marterl hier, was geschah einmal an der Straße nach
Zarten? Zuvor: Das Wort „Marterl“, vor allem in Bayern
gebräuchlich, hängt mit „Martyrium“ zusammen und soll an die
Marter des Gottessohnes erinnern oder an die Qual eines an
dieser Stelle Verunglückten. Der mehrfach getreppte
vielkantige Unterbau des Schaftes aus Sandstein trug offenbar
früher eine Heiligenfigur, über der sich am Kragenwulst das
Wappen der in Stegen länger beheimateten adligen Familie „von
Kageneck“ erkennen läßt. Im Schild trägt es einen
Schrägrechtsbalken (offiziell aber „in Rot ein silberner
Schrägrechtsbalken“), über dem Helm ist der Rumpf eines
bärtigen Mannes zu erkennen, der mit einer gestulpten
Spitzmütze bekleidet ist. Die Vorderseite des rechteckigen
„Tabernakels“ zeigt hellweiß unter einem Rundbogen die oben
genannte Pieta-Darstellung, während an den drei Seitenwänden
in jeweils gotische Spitzbogen Sprüche mit Texten eingelassen
sind, die z.T. den Klageliedern der Bibel entnommen sind.
Einer davon lautet: O Ihr alle , die ihr vorübergeht,
habet Acht und schauet, ob ein Schmerz gleich meinem Schmerz!
(Klagelied 1,12). Das vierseitige Satteldach wird von
einem Mäanderband umgeben und mit einer Art Kreuzblume oben
abgeschlossen. Im unteren Bereich findet sich der kurze
Text: Franz von Kageneck verunglückte am 29. Mai 1895
hier im Alter von 35 Jahren. 18
Ein neugotischer Bildstock an der Zartener Straße erinnert an
den Grafen Franz von Kageneck, der 1895 an dieser Stelle vom
Pferd stürzte und an den Folgen des Unfalls verstarb.
gw 19 An diesem Tag ritt der junge Ehemann von
Kirchzarten aus nach Hause, stürzte aber s0 unglücklich vom
Pferd, daß er an den Folgen des Unfalls in Stegen verstarb.
Seine trauernde Ehefrau, eine geborene Gräfin Wilhelmine von
Linden, setzte — wie es auch heute die unglücklichen
Hinterbliebenen an den Straßenrändern tun dieses Mahnmal zur
Erinnerung an den Unglückstag. Der junge Franz von Kageneck,
der mit 25 Jahren geheiratet und inzwischen 5 Kinder hatte,
bezeichnete sich als Großherzoglich-badischer Grundherr von
Munzingen, Stegen, Bleichheim, Unteribental und Merzhausen,
war Ritter des kgl.bayr. Hausordens vom HI. Georg und
kgl.-bayr. Kämmerer. Die „von Kagenecks“, deren
Hauptlinie heute noch in Munzingen daheim ist, waren seit etwa
1700 mit dem Weiler „Stegen“ belehnt. Graf Heinrich v.
Kageneck (1886 —1957, verstorben durch einen Verkehrsunfall)
wohnte im Stegener Schloß (heute: Kolleg St. Sebastian) bis in
die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die von Kagenecks
hatten ehemals als kaiserliche Räte unter dem breisgauischen
Adel bedeutende Ämter in Straßburg und Freiburg inne und
stellten auch zeitweilig den Regierungspräsidenten von
Innsbruck, dem hohen Verwaltungssitz für die
vorderösterreichischen Lande. Sie genossen hohes Ansehen:
Ludwig XV., der Freiburg belagerte, suchte sich dafür ein
„standesgemäßes Quartier“ und wohnte 1744 in deren
komfortablem Schloß in Munzingen, und Marie Antoinette
übernachtete 1770 auf ihrem Brautzug nach Frankreich in einem
der Kageneckschen Freiburger Stadthäuser. Maria Beatrix von
Kageneck hatte vor ihrer Heirat hier ihre Jugend verbracht und
wurde dann sogar die Mutter des österreichischen
Staatskanzlers Metternich, der 1815 die Geschicke des Wiener
Kongresses wesentlich lenkte. Sie informierte damals „aus
erster Hand“ ihre adligen Standesgenossen im Breisgau über die
unangenehmen Neuigkeiten vom „Wiener Kongreß“, konnte jedoch
auch nicht verhindern, daß unser Gebiet jetzt vom katholischen
Haus Habsburg für immer an das protestantische Haus Baden
verwiesen wurde. Obgleich bereits einmal Pläne
bestanden, diesen o.g. Bildstock in den ehemaligen Schloßpark
der Kagenecks nach Stegen zu versetzen, sollte er nach dem
Willen des Grundstückseigners an der jetzigen Stelle weiter
stehen. Er könnte auch heutige Verkehrsteilnehmer mahnen, daß
die Stunde des Todes überraschend eintreten kann.
Mord am St.
Märgener Abt:
Das Anna-Kreuz bei Ebnet
An der Gabelung am Ortsausgang von Ebnet, der alten Villinger
Straße und der Straße ins Höllental, steht zwischen hoch
aufragenden Bäumen das sogenannte „Anna-Kreuz“. Um dieses
Kreuz ranken sich mehrere Geschichten. Zunächst: Man hat
ein klassisches „lateinisches Kreuz“ vor sich mit
langgezogenem senkrechtem Balken ( im Gegensatz zum sog.
„griechischen Kreuz“ mit gleichlangen Balken). Auf einem
Vierkantfuß erhebt sich der Sockel mit einer Inschrift, über
den Abdeckplatten erwächst der Stamm, an dem der (oft mit dem
Stein verwachsene ) Korpus hängt, wobei die Balkenenden in
flache, gespitzte oder wie hier in kleeblättrige Enden mündet.
Der Korpus zeigt den Gekreuzigten, den
Das St. Annenkreuz am Ortsausgang Ebnet bei der Gabelung der
alten Villinger Straße nach St. Peter ist voller Geheimnisse.
Ob sich ein Körnchen Wahrheit darin verbirgt? 21 Kopf
seit der Gotik meist auf die linke Schulter geneigt (vom
Betrachter aus gesehen), das Lendentuch nach rechts geknotet,
die Füße übereinander gelegt und durch nur einen Nagel
gehalten. Die Inschrift auf dem Anna-Kreuz in Ebnet
lautet: ZUR EHRE GOTTES U. DES BITERN LEIDEN U. STERBEN
UNSERS HERR U. ERLÖSERS JESU CHRISTE HAT DAVID STRECKER U.
SEINE EHEFRAU MONIKA KOTTERER VON EBNET DIESES KREUZ ZUM
ANDENKEN DER EHMALS HIER AUF DIESEM PLATZ GESTANDENEN ST. ANA
KAPELLE ERRICHTEN LASSEN. Ano 1825. Es hat hier also
einmal (bis zum Abriß 1811) eine kleine Anna-Kapelle
gestanden. Sie wird der Anna von Snewlin zugeschrieben, die
hier als Sühne für einen Mord durch einen Verwandten die
Kapelle errichten ließ. Immer schon hatte es als Folge des
Investiturstreites Schwierigkeiten und Differenzen zwischen
dem Augustiner-Kloster St. Märgen und dem der Benediktiner von
St. Peter gegeben, weil sie verschiedenen politischen
Richtungen (kaiserlich bzw. päpstlich) zugetan waren. Wohl
auch aus politischen Gründen (wegen der Vogteirechte im
Zusammenkhang mit dem Besitz der Burg Wiesneck) war hier 1356
der Abt Konrad von St. Märgen durch Johann Snewlin von
Landeck, reichster Patrizier Freiburgs und auch Bürgermeister
dort, überfallen und ermordet worden. Eine späte Nachfahrin,
Anna von SnewlinLandeck (verheiratet mit Friedrich von
Sickingen im [heutigen] Ebneter Schloß) hatte diese Kapelle
etwa 1570 deswegen zur Sühne errichten lassen. Aber wegen des
Mordes und der schnell entstehenden Legenden wurde auch
erzählt, hier seien Hexen verbrannt worden oder ein
französischer Soldat habe in der Hilarius-Kirche von Ebnet
einen Kelch und geweihte Hostien geraubt und entehrt. Er sei
an diesem Ort gestorben, doch sein frevelnder Arm sei aus dem
Grab erwachsen und habe jeweils im Morgengrauen auf das
Verbrechen verwiesen oder habe um Mitleid gebeten.
Märchen —Gespenstergeschichten — Aberglaube — Legenden ein
Körnchen Wahrheit? Wer vermag das nach so langer Zeit noch zu
entscheiden? Dennoch wurde bis ins Jahr 1929 am
Dreifaltigkeitssonntag wegen eines alten Gelübdes von Ebnet
aus eine Prozession zu diesem Kreuz veranstaltet. 1930 aber,
s0 berichten die Akten, wollte die Polizei die Straße für den
Prozessionszug nicht mehr sperren, s0 daß man zum
Stationskreuz ins Welchental ausweichen mußte. Ob die Sperrung
nur wegen des zunehmenden Verkehrs ausgesprochen wurde? Oder
war es eine erste Schikane des NS.-Staates?
Reiter
unterm Kreuz:
Das Longinus-Kreuz von St. Peter
Unterhalb der Klostermauer von St. Peter am Parkplatz für die
Touristen findet der aufmerksame Betrachter eine nur im
Südschwarzwald bekannte Form von einem Holzkreuz: ein
sogenanntes „Longinuskreuz“. Es steht hier seit 1990, wurde
von der Gesellschaft der Kleindenkmalfreunde gestiftet, dem
Freiburger Erzbischof Oskar Saier gewidmet, vom Freiburger
Bildschnitzer Friedbert Andernach nach alten Vorlagen neu
geschaffen. Ein Longinuskreuz ist keine „Kuriosität“, sondern
eine plastische Verkündigung der biblischen
Passionsgeschichte. Wie kommt es zu diesem Namen?“
Nach römischem Recht war es notwendig, vor der Abnahme eines
Gekreuzigten vom Holz, zu ermitteln, ob er denn tatsächlich
tot sei. Dazu mußte ein Offizier durch einen Lanzenstich
prüfen, ob Blut und Wasser aus der Stichwunde flossen.
Griechisch heißt „die Lanze“ — „Lonche“, daraus gab man dem
Lanzenträger in der frommen Legende den Namen „Longinus“
—Lanzenträger. Er ist also der Mann, der die oben bezeichnete
Aufgabe hatte. Weil das jüdische Recht verlangte, Christus vor
dem Paschafest vom Kreuze abzunehmen, prüfte dieser römische
Offizier „Longinus“, ob der Tod wirklich eingetreten sei. Die
Legende schmückt den Bericht allerdings weiter aus: ein
Blinder, der unter dem Kreuz stand, dem ein Blutstropfen auf
sein Auge fiel, wurde sehend, und auch der Hauptmann sagte: „
der war tatsächlich Gottes Sohn“. Nach der frommen
Legende kommt diese „Heilige Lanze“ durch Kaiser Karl als
vornehmste Christusreliquie in den Schatz der deutschen
Reichskleinodien und Heiligtümer. Durch den Soldaten Mauritius
aus der thebaischen Legion soll sie in den Besitz der
deutschen Kaiser gekommen sein. Der Sachsenkaiser Otto I. läßt
sie in der entscheidenden Schlacht auf dem Lechfeld (955)
gegen die Ungarn dem Heere vorantragen und schreibt seinen
Sieg dieser „Heiligen Lanze“ zu. Seit dem 13. Jahrhundert gilt
sie sogar als führendes Herrschaftszeichen. Ungezählte
christliche Maler haben diesen Moment des Lanzenstichs unter
dem Kreuz aufgegriffen und in frommer Gläubigkeit
künstlerisch 23 Kreuz zerbrach in größere Stücke, s0 daß
der Kirchzartener Steinmetzmeister Rudolf Kleiner es aus den
alten in der Wiese herumliegenden Teilen flicken konnte. Kaum
restauriert schleuderte erneut ein Auto bis vor das Kreuz. In
beiden genannten Fällen aber kamen die Fahrer mit dem
Schrecken davon. Die Badische Zeitung schrieb damals
(30. August 1988) nach der Wiedererrichtung des Kreuzes durch
Familie Maier: Häufig sind historische Denkmäler an
Wegen und Bächen, auf Feld und Flur verloren gegangen, die die
traditionelle Lebensorientierung der ansüässigen Bewohner
geprägt haben. Saurer Regen, der die alten Steine vorzeitig
verwittern läßt, und Kleindenkmal-Diebstähle durch sogenannte
Kunstfreunde tun ein übriges, um die beredten steinernen
Zeugen aus unserer Vergangenheit zu dezimieren. Um s0
erfreulicher ist es, wenn eine traditionsbewußite Familie sich
um die Wiederherstellung zerfallender Wegkreuze oder
Bildstöcke kümmert“. Diesen Worten ist auch heute nichts
hinzuzufügen. Im Zuge des Ausbaus des durchgehenden
Radweges von Kirchzarten nach Oberried wurde übrigens das
Kreuz durch die Gemeinde Kirchzarten um einige Meter nach
hinten versetzt.
Ein
Gnadenstuhl — was ist das?
Die Dreifaltigkeitssäulen am Weg nach St. Peter
In unserer mit Kapellen und Kreuzen als Zeichen christlicher
Durchdringung so reich gesegneten Landschaft fällt eine Art
von Kleindenkmal besonders auf : die steinernen
„Gnadenstühle“. Auf dem Weg nach St. Peter gibt es deren drei:
Am Scherpeterhof in Eschbach, bei der Einfahrt nach St. Peter
(Bäckerei Kreuz) und am Kapfenhof in Richtung von St. Peter
nach St. Märgen. Ein Gnadenstuhl? Was ist das? Weder ein
Krankenfahrzeug und schon gar nicht ein „elektrischer“ Stuhl
aus Amerika, gemeint ist auch nicht der Beichtstuhl in der
katholischen Kirche. Martin Luther hat diese Übersetzung
aus dem Lateinischen (thronum gratiae) gewählt, um damit ein
zentrales Geheimnis des christlichen Glaubens zu
verdeutlichen. Thn und viele andere Theologen und Philosophen,
aber auch Maler und Bildhauer, beschäftigte nämlich die Frage
aller Christen: Wie kann man sich einen Gott vorstellen, der
„verschieden“ in den Personen und doch „eins“ ist im
Wesen? Genau dieser Frage stellten sich die Künstler und
Steinmetzen, welche die hier angesprochenen „Gnadenstühle“
oder auch „Dreifaltigkeitssäulen“ geschaffen haben.
Während die Maler des frühen Mittelalters mit dem Problem
kämpften, ob sie mehr die Verschiedenheit oder mehr die
Einheit Gottes darstellen sollten, haben die Steinmetzen Anton
Xaver Hauser und Alois Knittel das Problem sehr gut gelöst.
Sie betonen die Einheit, in dem Gott Vater, der auf der
Erdkugel sitzt, seinen gekreuzigten Sohn im Schoße trägt und
der Heilige Geist in Gestalt einer Taube (wegen der Rückkehr
in die Arche Noah Symbol für den Frieden und die Hoffnung)
zwischen beiden in einem einzigen Stein verarbeitet sind. Die
Dreiheit wird durch die verschiedenen „Aufgaben“ symbolisiert:
Erdumspannende Schöpfung und Herrschaft, Kreuzestod als
Erlösungstat und Hoffnung auf Auferstehung, Aussendung von
Geist, Liebe und Frieden, doch alles in einem. Der
Gnadenstuhl am Scherpeterhof in Stegen-Eschbach ist 1770 von
einem Mitglied der im Breisgau bedeutenden Steinmetzfamilie
Hauser aus Kirchzarten geschaffen worden. Anton Xaver Hauser
ist in 33 Beim Aufgang nach St. Peter vor der Kulisse
der barocken Klosterkirche steht seit 130 Jahren der von Alois
Knittel gearbeitete Gnadenstuhl.
34 Links: Die Dreifaltigkeitssäule
beim Scherpeterhof in Stegen-Eschbach wurde von Anton Xaver
Hauser 1770 geschaffen. Der Heilige Geist in Form der Taube
ruht zwischen Gott Vater und dem Gekreuzigten. Der Versuch,
die Einheit im Wesen Gottes und die Dreiheit in den Personen
künstlerisch darzustellen, wird hier auf hervorravende Weise
gelöst. Rechts: Auch auf dem Kapfenhof bei St. Peter
befindet sich ein wertvoller „Gnadensfuhl“ (1874). Die
Benediktiner des Klosters hatten in ihrer Zeit die Verehrung
der HI. Dreifaltigkeit besonders eifrig empfohlen. der
vierten Generation in diesem künstlerischen Beruf tätig. Seine
Dreifaltigkeitssäule steht auf einem Sockel, auf dem ein
Gebet, aber auch die Stifter genannt werden: DIE
BILDSAVL/ HAT HIE HER / STELEN LASEN/ DER EHRBARE/ PETER
HUMEL/ VND SEINI EHFRAV AGATHA HAVERIN/ VND DISES ALES/ ZV
GRÖSER EHR/ GODTES VND ZV/ VNSERM SELENHEIL Der
Gnadenstuhl aus Pfaffenweiler Sandstein mußte nach 200 Jahren
(1970) unter Aufsicht des Denkmalamtes restauriert werden und
wurde dabei von vier verschiedenfarbigen Ölschichten befreit.
Über 85 den Anlaß der Aufstellung vor langer Zeit darf
man spekulieren: Der Bauer Christian Scherer hatte keine Erben
und verschenkte den Scherpeter-Hof an das junge Ehepaar Peter
Hummel und Agatha Haury. Vielleicht haben die beiden aus
Dankbarkeit diese Dreifaltigkeitssäule errichten lassen.
Der Gnadenstuhl bei der Bäckerei Kreuz „am Finkenwerd“ in St.
Peter, vor dem Geburtshaus des ehemaligen Caritaspräsidenten
Dr. B. Kreutz, ist etwa 1870 entstanden. Wahrscheinlich hat
der Freiburger Bildhauer Alois Knittel ihn geschaffen und
dabei Anregungen aus dem weiter unten im Tal stehenden
Gnadenstuhl des A. X. Hauser geschöpft. Im Werkverzeichnis von
Knittel findet sich der Eintrag im Februar 1868: für
„Kreuz, Müller in St. Peter, Gott Vater, sitzend, 3 Fuß hoch,
110 fl (Gulden). Die Verehrung der Heiligen
Dreifaltigkeit spielte im Umkreis des Klosters St. Peter
offenbar eine große Rolle. Da gab es den Benediktinerpater
Benedikt Bayer von Buchholz, von dem das Totenbuch später
aussagt, daß er ein „glühender Verehrer der heiligsten
Dreifaltigkeit war und ein eifriger Verbreiter dieses Kultes“.
Vielleicht ist daraus auch zu erklären, daß später in St.
Peter, auf dem Kapfenhof, noch einmal ein solcher Gnadenstuhl
zu finden ist, eine „seltene Kostbarkeit“. Auf dem Sockel
findet sich folgende Inschrift : „Der wahre Christ mit/
Freuden preisst/ Den Vater, Sohn und heilgen Geist./ Ja
hochgelobt sei alle/ Zeit/ Die heiligste Dreifaltigkeit.
Dieses Denkmal haben/ errichten lassen/ der Kapfenbauer/ Josef
Hummel/ und seine Ehefrau/ Theresia geb. Schwer im Jahre
1874. Möglicherweise ließ der Kapfenhofbauer auch den
Gnadenstuhl errichten, weil er selbst nach langer Krankheit
wieder von seinem Hof aus ohne Stock und Krücken zur heutigen
„Kapfenkapelle“ hinaufgehen konnte, (was man dort oben
nachlesen kann!), ein Wunder, das seine gehbehinderte und
kranke Frau Theresia sich ebenfalls erhoffte. In einer
Zeit ohne Krankenversicherung und versierte Ärzte nahm man
eben seine Zuflucht zu den Heiligen und vertraute auf die Güte
Gottes. Es steht uns Heutigen wohl nicht an, dieses
Vertrauen und diesen ehrlichen Glauben zu verspotten.
Herzschlag
am Straßenrand:
Der Tod an der Landstraße
Möglicherweise war es ein erster heißer Samstag im April.
Susanne Wangler von Buchenbach, 54 Jahre alt, war mit ihrem
70jährigen Onkel Fidel Wangler, (zeitweilig Bürgermeister der
Gemeinde Buchenbach, dem siíe den Haushalt führte, weil er
ledig war,) auf dem Rückweg von Freiburg nach Buchenbach, eine
Strecke, die man 1889 noch zu Fuß ging, oder, wie in diesem
Fall, mit dem Ochsenkarren zurücklegte. Vielleicht war ein
dringender Arztbesuch notwendig gewesen, vielleicht aber
hatten die beiden auch einen Korb mit Eiern und ein wenig
„Anke“, der (!) Butter, auf dem Freiburger Wochenmarkt
verkaufen können. Die Phantasie kann noch einiges hinzufügen,
Genaueres wissen wir nicht. Jedenfalls muß sie sich an der
ehemaligen B 31 unter einem Baum etwas ausgeruht haben, weil
ihr Herz plötzlich s0 unruhig schlug. Trotz aller unbeholfenen
Belebungsversuche stirbt sie an einem Herzversagen auf dem
Wagen des Fidel Wangler, der ihr Seelenheil nur Gott
anempfehlen kann. Welch ein Schrecken für den hilflosen
Mann seine tote Nichte, die uneheliche Tochter seiner
Schwester Magdalena, auf dem Wagen, sie schien doch völlig
gesund! Er kommt heim, mit der toten Frau im Stroh auf dem
Wagen. Jeder kannte sie, weil sie es sich „mit kindlicher
Freude und Frömmigkeit“ zur langjährigen Aufgabe gemacht
hatte, „unter Opfern von Zeit und Geld“ die Altäre der Kirche
in Buchenbach mit Blumen zu zieren. Fidel Wangler setzte
ein Kreuz an die Stelle der Straße nach Freiburg, wo er das
Unglück erlebte. Er läßt sich die Aufstellung des Mahnmals
etwas kosten. Er empfiehlt sich und die Tote der Jungfrau
Maria, die am Kreuzesstamm zu ihrem gemarterten Sohn
aufblickt. Er läßt links und rechts vom Kreuze, recht dicht,
zwei Bäume pflanzen, damit die Kühe, wenn sie sich schaben,
das Kreuz nicht umwerfen können. Er läßt folgende Inschrift in
den Sockel eingravieren: Samstag d. 27. April 1889 starb
hier auf meinem Fuhrwerk in guter /Gesundheit neben meiner
Seite / eines plötzlichen Todes / Susanna Wangler v.
Buchenbach. / Zum Andenken dessen setzte dieses / Kreuz zur
Ehre des leidenden / Heilandes Jesu Christe und seiner /
schmerzhaften Mutter Maria / Fidel 37 Ein
eindrucksvolles Kreuz an der alten B 31 erinnert an den
plötzlichen Tod der Susanna Wangler aus Buchenbach im April
1889. Die Mahnung auf dem Sockel gilt auch heute noch für alle
Autofahrer: „Betrachtet doch, wie schnell oft das Leben zu
Ende geht“. Wangler, Hofbauer, /ſund
Altbürgermeister zu Buchenbach. 1889 / Alle, die vorüber gehen
/ betrachtet / doch, wie schnell / oft das Leben zu Ende geht
/. 1889/ H. Mayer fecit. Eine Mahnung, die über das Jahr
2000 Bestand hat. Ein ähnlich tragischer Fall aus
jüngerer Zeit verbirgt sich hinter dem weißen Marmor-Kreuz
beim Nadlerhof in Oberbirken. Fin kleines Gärtchen mit einem
Eisengitter umgibt das immer mit Blumen liebevoll gepflegte
Denkmal. Anstelle eines Korpus findet man in der Kreuzmitte in
einem Kreis JHS, die symbolische Abkürzungsformel für „JesUs,
Heiland, Seligmacher“. Am unteren Schaftende bemerkt man einen
Kelch, der von Weinlaub und Garben umrankt wird. Der Text im
breiten Sockel lautet: „Wer will das Schicksal wohl
ergründen, das uns s0 Schweres auferlegt? Bei Gott allein ist
Trost zu finden, er heilt die Wunden, die er schlägt.
Errichtet von Familie Wirbser 1959. Hinter diesem
„Schicksal“, von dem die Rede ist, verbirgt sich eine
menschliche Tragödie: der Nadlerhofbauer überfuhr beim
Zurückstoßen mit dem Traktor sein eigenes Kind Albert, das
unvorsichtigerweise hinter ihm spielte. Da lief die Bäuerin
zum nahen „Haldenkreuz“ und betete inständig. Ihr Gebet fand
Erhörung, den Mann traf keinerlei Schuld, aber Leid genug
blieb in der Familie. 38 Ein
tragisches Schicksal auf dem Nadlerhof in Oberbirken 1959:
Unvergessenes Leid für eine ganze Familie. Wieviel
persönliches Schicksal verbirgt sich hinter den Kreuzen und
Steinen in unserer Landschaft! Aber es ist, gottlob, nicht
immer Leid, manchmal auch Dankbarkeit und Freude, die über die
Steine zu uns sprechen. Wir sollten das Andenken daran
schützen und pflegen! Nachtrag: Nadlerhof-Nadelhof? Die
Stegener Ortsgeschichte berichtet, daß an dieser Stelle einmal
eine „Nadelschmiede“ gestanden habe, wovon sich der Name
herleite. Der Hof sei 1916 abgebrannt, weil ein Bub ein
Wespennest „zündeln“ wollte. Oberhalb des Hofes habe sich
einmal das Weyler‘sche „Hohgericht“ mit dem Galgen befunden.
Der Bergrücken trägt noch heute den Namen „Galgenbühl“, für
dessen agrarische Nutzung der Nadlerbauer zu früheren Zeiten
„9 Sester Haber“ (den sog. „Galgenhaber“) an die Stegener
Herrschaft entrichten mußte. Der Bergrücken sei zwischen 1819
und 1822 abgeholzt worden, nachdem in diesem Wäldchen Maria
Zähringer dort von Lorenz Pfister ermordet worden sei. Man
habe in der Nähe des Hauses deswegen ein kleines Wegkreuz
errichtet. (s. Maximilian Walter: Ortschronik v. Stegen,
Ratschreiber und Bürgermeister von 1894 — 1936) 39
lediglich die beiden Alpha und Omega, christliche Zeichen für
Anfang und Ende. Dr. Herder-Dorneich sah hier die
endliche Entschlüsselung des geheimnisvollen magischen
Quadrates und hielt den mittelalterlichen Zauberspruch für ein
„Kryptogramm“, ein geheimnisvolles Zeichen der Christen aus
der Urzeit, die durch die Katakomben den Weg zu ihrer
Opferstätte finden wollten, ähnlich dem Fisch (griechisch:
ICHTHYS = JESOUS CHRISTOS THEOU HYOS SOTÄR = Jesus Christus,
Gottes Sohn. Heiland) , der ja während der Zeit der
Christenverfolgungen ebenfalls als verschlüsselter Hinweis zu
den Opferstätten diente. Für den Verleger Herder-Dorneich war
dieses magische Quadrat der Anlaß, seiner Kapelle den Namen
„Vaterunser-Kapelle“ zu . geben. Und was ist ein
„Jerusalem Kreuz“, das viele Israel-Besucher von den heiligen
Stätten kennen und auch mit zu uns brachten? Es ist ein
fünffaches Kreuz, ein großes aus vier T-Kreuzen
zusammengesetztes Krückenkreuz mit vier kleineren griechischen
Kreuzen in den jeweiligen Schenkelsektoren. Gottfried von
Bouillon, einer der Anführer der europäischen Kreuzzüge,
führte es 1096 in seinem Siegel, und so wurde es zum Wappen
des damaligen Königreiches Jerusalem. Von dort nahmen es auch
die Franziskaner und der „Orden vom Heiligen Grabe“ in Wappen
und Siegel auf. Das mittlere große Kreuz interpretierte man
lange als Symbol des Königreiches Jerusalem, die vier
kleineren Kreuze sollten die Grafschaften Edessa, Antiochien,
Tripolis und Kerak darstellen. Andere glaubten, die fünf
Kreuze würden sich auf die Nationen beziehen, die den
Hauptanteil an Kreuzfahrern stellten, nämlich Frankreich,
England, Deutschland, Italien und Spanien. Wieder andere
meinten, hier seien die fünf Wunden Christi symbolisiert. Es
beleuchtet aber die Person Kaiser Wilhelms TI. daß er 1898 zur
Erinnerung an seinen Jerusalem-Besuch eine Erinnerungsmedaille
prägen ließ, auf der über den Armen des Jerusalem-Kreuzes ein
goldener Rundschild mit Kaiserkrone und seinem Namenszug
gelegt wurde. Der Erbauer der Vaterunser-Kapelle, Dr.
Theophil Herder-Dorneich, ließ das Jerusalem-Kreuz als ein
Symbol ganz bewußt hinter dem Altar zwischen das oben
beschriebene „Magische Quadrat“ auf dem Boden einlegen.
* Wie so oft hat Oskar Hog von Wagensteig mit seiner Erfassung
und Inventarisierung von gut 50000 Namen aus dem ganzen
Dreisamtal hier weitergeholfen. Danke!
Kreuze
östlich von Freiburg:
Vom Attental und Wittental ins Steurental und bis
Eschbach
Wer mit dem Auto von Freiburg in Richtung St. Peter fährt,
sieht wenig hinter dem Abzweig Ebnet links den alten Breitehof
liegen (Besitzer: Paul Steinhart), einen der stattlichsten
Höfe des ganzen Dreisamtals mit seinen 14 nach Osten gewandten
Fenstern, den drei Känsterles mit Heiligenfiguren darin und
der Fridolinkapelle aus dem frühen 16. Jahrhundert neben dem
Haus. Pfarrer Dr. Franz Kern hat in seinem Buch über die
Dreisamtalkapellen darüber berichtet, und Dr. Rolf Miedtke hat
Haus und Gegend mehrfach mit markanten Strichen gemalt. Aber
wer mit dem Fahrrad von Freiburg aus Richtung Stegen unterhalb
des Schloßbergs und Hirzbergs entlang fährt, sieht auf dem
Spazierweg linker Hand ein braun in braun gehaltenes Holzkreuz
mit der kurzen Inschrift: „Herr, zeige uns den Weg“. Wieviel
Not und wieviel Gottvertrauen mag sich hinter dieser erst
kürzlich errichteten Gedenktafel dieses schlichten Kreuzes
verbergen! Es sind nur 400 Meter bis links die geteerte
Straße hinauf zum Café Faller, zum Gasthaus Bank und zur
Schlangenkapelle ins Attental abzweigt. Auch die Diebe haben
wohl den Weg genutzt, als sie in einer Novembernacht 1976 die
kleine Madonna aus der Schlangenkapelle gestohlen haben, ein
Gnadenbild, das auf eigenartige Weise 1978 an der Freiburger
Autobahn von der Polizei wiedergefunden wurde. An diesem
Abzweig zum Attental also steht seit 1814 ein hohes Steinkreuz
mit schönen Dreipaßenden, auf dem noch zu lesen ist: „IHR ALLE
DIE / IHR HIER GEHET/ VORBEY SEHT OB/ EIN SCHMERZ WIE DER/
MEINIGE SEY: DIESES KREITZ HAT/ HERSTELLEN LASSEN/ ZU DER EHRE
GOTTES/ DER EHRSAME HAUSHER/ ANDREAS RAUFER/ UND SEINE EHFRAU/
KATRINA DRITSCHELER: BETE IM ATENTIN“ (?)1814. Den Raufer-Hof
gibt es weiterhin und einer der Enkel, Andreas Raufer, hat
später (1879) auf seinem Hof eine Kapelle errichten lassen,
deren Glocke sogar seinen Namen trägt. Der Hof ist leider um
1870 mit allen Akten über die früheren Besitzer abgebrannt, s0
daß wohl nicht mehr festzustellen ist, ob ein besonderer Anlaß
zur Errichtung des Kreuzes vorlag. 139 Links: Am Eingang
zum Attental findet der Wanderer ein hohes Steinkreuz aus dem
Jahre 1814. Es wurde von den Bauersleuten Andreas Raufer und
seiner Ehefrau Katrina Dritscheler (Tritschler) errichtet. Da
der „Rauferhof“ im Attental um 1870 abbrannte und alle
Unterlagen vernichtet wurden, weiß man leider den Anlaß der
Aufstellung nicht mehr. Rechts: Das Attental aufwärts
finden sich an vielen Höfen — hier am Hugenhof— zum Teil in
der Hauswand oder hinter Glas, die Zeichen christlichen
Glaubens und bäuerlicher Handwerkskunst. Hinauf zur
„Schlangenkapelle“ führt die Straße vorbei an einer großen
Zahl von Hausund Hofkreuzen an Höfen und Wegen. Das
Traditionsbewußtsein der Bauern aus dem Tal hat die
Schlangen-Kapelle im Ortsteil Attental, der seit 1974 mit der
Gemeinde Stegen vereinigt wurde, anno 1953 neu erstehen
lassen. Es gibt eine Reihe von Berichten(*), die auf die
Entstehung dieser Kapelle hindeuten: eine große Zahl von
Kreuzottern, Ringelnattern und Vipern fühlte sich demnach im
Attental wohl. Sie verschwanden auf wunderliche Weise.
Deswegen hier die „Schlangenkapelle“! An den Häusern dieses
Straßendorfes mit seinen z.T. heute noch geschlossenen
Hofgütern (Bankscher Hof, Hugenhof, Albrechtshof) findet man
fast überall noch einen Kruzifixus
140 Links: Vom
Falkenhof mit seinem durch Ortsvorsteher Heizmann und seinen
Getreuen wieder errichteten Kreuz geht es hinauf zum Recklehof
im Wittental. Dort grüßt ein schlichtes Holzkreuz den Hof und
seine Bewohner. Rechts: Nahezu unbeachtet fährt man auf
dem Weg nach Eschbach vorbei am ehemalieen Gasthaus „Engel“
(Familie Dold) mit seinem Kreuz von 1917 als Erinnerung an den
gefallenen Mann und Vater. meist in Holz, aber auch
hinter Glas schützen die Bewohner „ihren“ Christus vor Raub
und schädlicher Umwelt. Man muß schon mächtig strampeln,
um mit dem Rad am „Falkenhof“ vorbei hinauf ins Wittental zu
fahren. Oberhalb des Hofes stand ursprünglich die Burg der
Herren von Falkenstein. Sie waren als Ministeriale der
Zähringer einst ins Land gekommen und hatten auf der heute
noch „Falkenbühl“ genannten Stelle gebaut. Unter einer Linde
am Falkenhof befand sich (1459) gar eine Gerichtsstätte. An
der alten „Villingerstraße“ stand ursprünglich das
„Sumserkreuz“, das beim Straßenneubau versetzt werden mußte
und vom Blechner Drescher / Ebnet und Maler Ganter / Stegen
kostenlos dem Ortschaftsrat Karl 141 Heizmann und seinen
Getreuen zur weiteren Pflege überstellt wurde. Sowohl am
„Recklehof“ (Bes. Alfred Fehr) als auch beim „Andresenhof“
(Karl Heizmann, Kreuz renov. 1969 und 1990 durch Lehrer
Schober erneuert) kann der Wanderer ein Hofkreuz als Hinweis
und Glaubensbekenntnis finden. Gerade dieser Hof von 1776, ein
Bohlenständerhaus (Typ des jüngeren Heidenhauses) mit
zweigeschossigem Wohnteil, Walmdach und an drei Seiten
umlaufender hölzerner Galerie weist einen nahezu
großbäuerlichen Charakter auf und deutet auf den
ursprünglichen Reichtum vieler Bauern dieses Tales hin. 1974
wurden s0Wwohl das Attental wie Wittental nach Stegen
eingemeindet. Zum Steurental muß man noch ein Stück
weiter fahren, durch Stegen und „Bärlachen“ (Hauskreuz und
Känsterle) hindurch Richtung Reckenberg. Am ehemaligen
Gasthaus „Engel“ mit einem immer noch schön vergoldeten
Wirtshausschild liest man auf dem Sockel des dortigen
Steinkreuzes und einer rötlichen Madonna: Im großen Weltkrieg/
1917 haben Maria Dold/ und ihre Kinder/ dem verst. Gatten und
Vater/ Adalbert Dold/ zum Andenken dieses/ Kreuz errichten
lassen/ Jesus milder König DU/ gib den Toten ewige Ruh. Dass
mein Ende selig werde/ wenn ich scheide von dieser Erde/ Zeige
dich als Retter mir. Wenn Dein Blut, dass Du vergossen.
(Text-Rest auf dem Sockel im Acker versunken). Wenig
hinter dem Schwabenhof mit einem Holzkreuz, dessen
fleischfarbener Korpus an den Wundmalen rot blutet, biegt man
linker Hand ab in Richtung Steurental und Reckenberg. An dem
bekannten Landgasthof findet sich das ca. 150 Jahre alte aus
dem Raum Hannover (!) sStammende Kreuz mit der Inschrift: Wenn
das/ Weizenkorn nicht/ in die Erde fällt und/ stirbt, bleibt
es allein/ wenn es aber stirbt/ bringt es reiche Frucht./ Joh.
12,24. O du Lamm Gottes/ das getragen aller/ Menschen Sünden /
erbarme dich unser, gib/ uns deinen Frieden. Errichtet zur
Ehre Gottes von / Franz Xaver Hug und Ehefrau/ Maria Rosa,
geb. Läufer. 21. April 1993. Statt eines Kruzifixus
findet sich auf diesem Kreuz ein Ährenbündel, eine Rose windet
sich am Steinkreuz entlang, die Balkenenden sind erneut
kreuzförmig gestaltet, in einem dreieckigen
DreifaltigkeitssymbolI findet sich ein Lamm mit einem Stab.
Nach Aussage des heutigen Reckenberg-Chefs bezieht sich das
oben genannte Datum auf einen Hochzeitstag seiner
Eltern. Im Steurental aufwärts liest man auf einem Kreuz
am Weg unter Haus Nr. 40, dem ehemaligen „Schreiner Gütchen“
(Bes.: Maier / Krezmaier) : Sei heiliges/ Kreuz gegrüßet/ an
dem mein Herr gehangen/ in bitterm Todesbangen. Amen. Seitlich
liest man außerdem: Gewidmet von der Familie Karl Maier 1958
und seitwärts: Kleiner, Kirchzarten. Das ur 142 Links
oben: Im Steurental beim Gasthaus Reckenberg sieht man ein
Steinkreuz, das für unsere Gegend einen eigenartigen und
besonderen Schmuck trägt. Rechts oben: Das Steurental
aufwärts, kaum berührt vom Fremdenverkehr, fällt am
Schreinergütchen das von Rudolf Kleiner gearbeitete Kreuz auf,
bevor man oben zum Martinshof gelangt, dessen Steinkreuz
mehrfach versetzt wurde. Rechts: Ein ausdrucksstarkes
Kruzifix ist oben an der Hauswand des Bammerthofes im
Steurental zu sehen.
143 sprünglich an der Straße befindliche Holzkreuz war nach
dem Zweiten Weltkrieg erneuert worden aus Dank, weil der
damalige Hofinhaber, mit Gelbsucht auf Urlaub, nicht mehr nach
Norwegen zurück in den Krieg mußte, und dadurch vielleicht —
vor dem frühen Tode gerettet wurde. Heute trägt das weiße
Steinkreuz nur die angedeuteten Umrisse des Gekreuzigten, den
der Kirchzartener Bildhauer Rudolf Kleiner gestaltete.
Vorbei am Schererhof der Familie Gremmelspacher mit ihrem
Hofkreuz (Steurental 39) gelangt man zum „Bammerthof“ der
Familie Schweizer, deren wertvolles hölzernes Hofkreuz oben an
der Hauswand die Inschrift trägt: „Komm her / o Mensch
betrachte/ mich/ Wandle fort und bekehre Dich. Die
Wanderung endet am Abschluß des Tales beim Martinshof (Fam.
Ketterer), auf deren steinernem Hofkreuz man liest: „O,
heiliges Kreuz/ du bist der Grund des christlichen/ Glaubens,
der Stern/ der seligen Hoffnung/ und der Opferaltar/ der
göttlichen Liebe. Als das Kreuz ca. 1990 vom Sturm umgeworfen
worden war, wurde es näher ans Haus geholt. Das Kreuz ist ca.
1935, als der Hof abgebrannt war, von Wilhelm und Maria
Ketterer, geb. Gremmelspacher „zur Ehre Gottes“ neu errichtet
worden. Damals hatte die Familie mit ihren Tieren wenigstens
noch einen Unterschlupf im nahen Schopf finden können.
Bei der Rückkehr zum Ausgangspunkt am Reckenberg kommt man
schnell auch an den Ortsanfang von Eschbach, ebenfalls zu
Stegen gehörig. Rechts an der Auffahrt zur Schule stößt man
auf ein ca. 3,20 m hohes Steinkreuz mit vergoldetem Korpus,
dessen drei Löcher in den Balken darauf schließen lassen, daß
hier ursprünglich ein größerer Korpus hing. Das
Aufstellungsjahr 1872 läßt sich noch erkennen, ebenso der
Stiftername Karl Rombach und seine Ehefrau Maria Anna(?). Der
Rest bleibt unleserlich. Besser ist es da bestellt am weiter
aufwärts liegenden Hummelhof (Robert Hummel). Dort wurde das
Kreuz (von 1880) zwar vom Sturm „Lothar“ an Weihnachten 1999
umgeworfen, aber aus den Mitteln „einer ungenannt bleibenden
Freiburger Spenderin“ vom Steinmetz Rösch / Stegen von Grund
auf erneuert. Es trägt die Inschrift: OH CHRIST SIEH MEINE/
LEIDEN MEIN BLEICHES/ ANGESICHT SIEH MEINE/ DORNENKRONE GEH
HIN/ UND KLAGE NICHT/WILL DAS HERZ DIR/ BRECHEN AUF DEINER
LEBENSBAHN SO KEHR/ ZU MIR WIEDER SIEH/ WAS MAN MIR
GETAN. 144 Rechts: Oben im Steurental schützt ein
Steinkreuz den Martinshof. Links unten: Bei der Auffahrt
zur Schule in Eschbach stößt man auf ein Granitkreuz mit
vergoldetem Korpus, das 1872 von Karl Rombach gestiftet
wurde. Rechts unten: Wohl dem, der einen Mäzen findet,
der die Kosten für die Renovation trägt, wie hier am Hummelhof
in Eschbach. Nachdem der Sturm „Lothar“ das Kreuz umgeworfen
hatte, fand sich eine ungenannt bleibende Spenderin, die das
Kreuz restaurieren
ließ. 145 Über das
neue Kreuz am Pfisterhof in Burg a. Wald wurde an anderer
Stelle bereits berichtet, ebenso über die in der Nähe
befindlichen Kreuze am Wanglerund Altevogtshof. Am Sockel des
Steinkreuzes beim Gasthaus „Schlüssel“, (dort, wo man —
möglicherweise? — den „Schlüssel“ zum Eingang in die alte
keltische Fliehburg Tarodunum vermutete!!) , liest man seit
1907 den bekannten Text: O heiliges Kreuz... usw. Gestiftet
zur Ehre Gottes von Bernhard Bank und dessen Ehefrau Sophie
Bank geb. Hummel. Der Kirchzartener Steinmetz Kleiner hat die
Ornamente im Sockel und den neugotischen Spitzbogen in den
60er Jahren renoviert. — Von hier ist es nicht mehr weit nach
Oberbirken und ins Rechtenbachtal, die beide zur Gemeinde
Stegen gehören. Das Kruzifix mit einem tief gezogenen grünen
Runddach erinnert an den 1890 abgebrannten Haldenhof, der
Feuer fing als ein Bub ein Wespennest abflämmen wollte. Der
Revierförster Wilhelm Decker sorgte dafür, daß hier jetzt eine
kleine Bank zum Verweilen einlädt. Nahe beim „Gasthaus Sonne“
in Oberbirken liest man am Steinkreuz der Familien Tritschler
/ Schlegel: Ich danke Dir Herr Jesus Christ/, daß du für mich
gestorben bist/. Ach laß dein Blut und deine Pein/ an mir doch
nicht verloren sein/. Gestiftet zur Ehre Gottes von Elisabetha
Tritschler und Sohn Karl Tritschler und Maria, Joseph und
Wilhelm Schlegel. Hoffentlich fällt das Kreuz nicht dem gerade
begonnenen Neubau zum Opfer! Jetzt ist der Weg zum
Rechtenbachtal naheliegend, weil man von dort aus auch zum
Lindenberg aufsteigen kann. Das hölzerne Hofkreuz links beim
Ziegelhof ist erst 1997 im Zusammenhang mit dem Ausbau des
Reithofes (wieder?) errichtet worden. Am Rumishof (Fam.
Rombach, 1969) hängt ein dunkler, kleiner Kruzifixus aus
Metall auf einem massigen granitenen Kreuzbalken, auf dessen
breiter Konsole in Goldschrift zu lesen ist: AN GOTTES SEGEN
IST ALLES GELEGEN. Familie Rombach 1969. Rechts der Straße, am
Kochhof, arbeitet seit kurzem ein junger Schmiedemeister
(Rebmann) in seiner Werkstatt. Er hat ein sehr schönes
Metallkreuz vor dem Hof renoviert und an passender Stelle neu
errichtet. Korpus und weitere Details sind vergoldet, ein
stolzer Hahn erinnert an die Geschichte mit der Verleugnung
des Herrn durch Petrus, ein Dreieck symbolisiert die
Dreifaltigkeit, ein flammendes Herz die Liebe. Ein
Schmuckstück! Am „Libding“, dem Altenteil des
Fußenthomahofes, hängt ein schlichtes Hauskreuz an der Wand.
Für einen Lateinschüler ein schöner Hinweis auf sogenanntes
„Bauernlatein“. Die korrekte Inschrift des Titulus „INRI“
(Jesus Nazarenus Rex Judaeorum) wird nämlich ausge
164 Links oben: Im
Rechtenbachtal findet man vor dem Aufstieg zum Lindenberg ein
erneuertes Eisenkreuz, das der Schlossermeister Rebmann vor
seiner Werkstatt wieder errichtet hat. Der Hahn erinnert an
den Verrat des Petrus, das Dreieck symbolisiert die
Dreifaltigkeit, und das flammende Herz verdeutlicht
Glaube, Hoffnung und Liebe. Rechts oben: Ein Indiz
für „Bauernlatein“ liest man am „Libding“ des Fußenthomahof im
Rechtenbach. Die ausgeschriebene Inschrift „INRI“ ist hier s0
„ungefähr richtig“ übersetzt. Rechts: Ein Holzkreuz am
Gasthaus „Rössle“ und ein steinernes Hofkreuz am Similishof im
hinteren Rechtenbachtal laden den Wanderer zum Nachdenken
ein. 165 schrieben
und lautet hier: Jesus Nazare (!) Rexus (!) Judea (!). Klingt
doch auch so ähnlich, oder? Nur 100 Meter weiter in der
Kurve beim Gasthaus Rössle (Fam. Dold) heißt es am Kreuz: „Das
arme Herz hiernieden/ von manchem Sturm bewegt/ erlangt den
wahren Frieden/ dort, wo es nicht mehr schlägt.“ Eine traurige
Erkenntnis! Schließlich gelangt man auf dem Weg zum
Lindenberg an den Similishof mit seiner breiten Fensterfront
und den drei eingerichteten Känsterles mit den Darstellungen
von Josef, Maria und dem „Herz Jesu“. Das am Hof befindliche
hell gestrichene Steinkreuz von 1902 trägt die Inschrift: „Was
will das Kreuz/ das hier am Wege steht?/ Es will uns sagen:/
der Herr hat unsre/ Schuld getragen. Gestiftet zur Ehre Gottes
von Friedrich Tritschler und Philomena Gremelspacher. 1902.
Und wer keine Angst vor einem bellenden Hund hat, mag noch die
paar Schritte vor dem eigentlichen Anstieg hinauf zum
Lindenberg gehen, um rechts einen Blick auf das schöne hinter
Glas geschützte Hofkreuz des Thomashofes mit den Initialen JN
1889 AM(?) (Josef Nietz und Amalie? Rombach) zu werfen. Auch
hier findet sich, wie im ganzen Rechtenbachtal, ein Hinweis
auf den vertrauensvollen Glauben der Menschen unseres weiten
Dreisamtales.
Kreuze im
Zastlertal:
Von einer Hofbauernzu einer Holzhauergemeinde
Bauern hatten am Ende des Mittelalters auch dieses rund 8 km
lange und von Eiszeitgletschern geschaffene Schwarzwaldtal
längs des „Osterbaches“ besiedelt. Viele Hofgründungen waren
aber, wie auch andernorts, aus Mangel an Bodenund klimatischen
Kenntnissen oder aus Wassermangel wieder eingegangen. Am
stärksten war die Aufgabe von Höfen am Ende des 19.
Jahrhunderts, so daß man von einem richtigen Bauernsterben,
bzw. einer sozialen Umschichtung sprechen muß. Frucht mußte
teilweise von auswärts angekauft werden, der Boden war
ausgelaugt. Der Staat und die verschiedenen adligen
Herrschaften hatten die kleineren, unrentablen Höfe aufgekauft
und das ehemalige Ackerland weitgehend aufgeforstet. Man
argumentierte, die kleinen Höfe seien nur Nebenerwerbsbetriebe
gewesen, die dem Bergbau, der Glasindustrie und anderen
Gewerben ihre Entstehung verdankten“. Der Boden sei für den
Ackerbau ungeeignet und biete bessere Möglichkeiten für den
Holzanbau. Innerhalb von 85 Jahren des 19. Jahrhunderts waren
alle Höfe und Gütchen in das Eigentum des Staates
übergegangen, und, da keine anderen Käufer zu finden waren,
war der Kaufpreis für den Staat entsprechend niedrig. Die
ehemaligen Bauern waren verstorben, verzogen oder fanden in
wenigen Fällen ihren neuen Beruf im (lukrativeren?)
Forstbereich der neu entstehenden Wälder. Die Fichte wurde der
„Brotbaum“ der Menschen, die jetzt als Sägbauern, Taglöhner
und Holzhauer ihr Auskommen suchten, von auswärts als
Holzfäller in staatlichen Diensten angeworben wurden und als
Pächter nebenberuflich etwas Landwirtschaft betrieben. Aus
einer Hofbauerngemeinde wurde eine Holzhauergemeinde. Durch
die Anwerbung von Waldarbeitern von auswärts ergab sich eine
zusätzliche Umschichtung der Bevölkerung, eine starke
Fluktuation war die Folge, der „Überschuß“ an Männern
beträchtlich. — Um 1945 waren nahezu alle Anwesen im
Zastlertal in staatlichem Besitz. Aber im neugeschaffenen Land
Baden-Württemberg nahmen ab 1960 (auf Betreiben des damaligen
Bürgermeisters Albert Sackmann und des Rektors Schill) die
Pläne für eine Reprivatisierung des Bodens an kaufwillige
Bauern oder Waldarbeiter Gestalt an, wenngleich es auch
zwischen 167 der Baum/ umfangen hält das viel/ verachtet
Bild aus Stein/ und nimmt ihn ganz/ in sich hinein den/
Schmerzensmann/ den Herrn der Welt (Spruch von Fritz
Hockenjos, 1955). Und das andere Täfelchen: Der Buche Stamm
umklammert dieses Bild von Stein/ Nie mehr läßt er den
leidenden Heiland los/ s0 umfasse auch Du ihn mit der Seele
Dein/ damit es Dich aufnimmt in seinen Schoß BMNOP (Spruch von
Benedikt Momme Nissen, Ordinis Praedicatorum, 1935). Forst,
Naturschutz und Tradition haben ihren Kompromiß
gefunden! Seit 1986 liegt also mindestens der Kopf
wieder frei. Die Gemeinde Gütenbach schützte den Wurzelring
mit Mutterboden und friedete das Kreuz mit Porphyrsteinen ein,
s0 dass das Naturdenkmal, der „Balzer Herrgott“, in seiner
Waldeinsamkeit für weitere Jahre geschützt ist. Eine Einkehr
zu ihm läßt Ruhe finden. Versuchen Sie es! Und die Landschaft
dort oben ist wunderbar. Übrigens lädt das Gelände um
den „Balzer Herrgott“ zu weiterem Wandern ein. Und der
Oberfallengrund, auf dem seit vielen hundert Jahren „die
Fallers“ (aus der bekannten Fernsehserie) saßen, reizt zu
einer kurzen Nachbetrachtung, weil dort einer der bekanntesten
Bildschnitzer des Schwarzwaldes, Matthias Faller, 1707 geboren
wurde. Er entstammt einer Familie, von denen drei Mitglieder
noch Mitte des 17. Jahrhunderts wegen „Hexerei“ verbrannt
wurden“, die aber auch mit den berühmten Künstlerfamilien
„Winterhalder“ und den Kirchzartener „Hauser“ verwandt ist, —
einer der Winterhalder sogar gesuchter Porträtmaler am
Königshof in Paris, die „Hauser“ in vier Generationen als
Bildschnitzer und Bildhauer im ganzen Oberrheingebiet tätig.
Matthias Faller hat auch in Kirchzarten gearbeitet. Und dann
liegt noch nahe beim Oberfallengrund der ehemalige
„Königenhof“, der am 24. Februar 1844 von einer Schneelawine
verschüttet wurde, wodurch 16 Personen den Tod fanden, von
denen eine Tafel auf dem Friedhof in Neukirch kündet. Noch
heute spielen die Bewohner im Joostal auf ihrer Freilichtbühne
recht ergreifend und mundartlich echt die Geschichte vom
reichen Königenhof-Bauern, dem Uhrenhändler Hilari und dem
Cajetanbauern, die um Mitternacht beim Cegospielen vom
Lawinentod überrascht wurden. Manche meinen übrigens, der
„Balzer Herrgott“ habe ursprünglich auf dem Königenhof
gestanden und sei nach der Katastrophe an seinen jetzigen
Platz gelangt. * vgl. Karl Krieg: Bad. Zeitung 29.1.
1987; Gesch. St. Märgens, Schriftenreihe Schwarzwaldverein,
Fritz Hockenjos, Wäldergeschichten.
Kreuze in
Stegen
Die Gemeinde Stegen hat zwischen 1955 und 1980 ein starkes,
sogar stürmisches Wachstum erfahren. Zahlreiche Bebauungspläne
für in Freiburg beschäftigte Neubürger ließen die Zahl der
Einwohner über 2000 ansteigen. Mit Oberbirken, Rechtenbach,
Schloß Weiler und Unterbirken und der dazu gehörigen
Infrastruktur (priv. Kolleg St. Sebastian, staatl.
Gehörlosenschule etc.) ist die Gemeinde Stegen eine bevorzugte
Wohnstätte im Zartener Becken geworden. Ihr Mittelpunkt war
lange Zeit das Schloss „Weiler“ der Herren von Reischach,
dessen gotische Hofkapelle bereits um 1493 entstanden ist. Das
Lehen „Weiler“ kam 1702 an den Freiherrn Johann Friedrich von
Kageneck, dessen Nachfahren in einer Seitenlinie das Schloß
bzw. die Anbauten bis in die 50er Jahre des vorigen
Jahrhunderts bewohnten. Das Schloß lag ursprünglich an der
alten „Villinger Landstraße“, die von Freiburg über Ebnet
heranführte, aber im 18. Jahrhundert ihre Bedeutung einbüßte,
als man über Zarten und das Höllental die Hochfläche bei
Neustadt erreichte. Das Gemeindewappen mit dem gold-grünen
Hinweis auf die Herrschaft der Snewlins und dem blau-gold
springenden Hirsch von St. Blasien deutet die ehemaligen
Anrechte verschiedener Herrschaften an. — Michelishof,
Grundhansenhof, Thomashof, Josephenhof, Reichlehof und
Reckenhof weisen jedenfalls mit ihren Namen immer noch darauf
hin, daß Stegen einst eine reine Bauerngemeinde war, die
größtenteils, auch kirchlich (bis 1959 /bzw. 1970), nach
Kirchzarten orientiert war, aber durch eine erneuerte
Trinkwasserund Stromversorgungsanlage und die Ausweisung
zahlreicher Neubaugebiete ihren bäuerlich-dörflichen Charakter
verloren hat. Diesen findet man jedoch weiterhin in den
Seitentälern Attental, Wittental, Reckenberg, Steurental und
Eschbach, die nach der Gebietsreform von 1974 ebenfalls zur
Gemeinde Stegen gehören. Wegen der Umwandlung und
Neubesiedlung von einer Bauerngemeinde zu einer Vorortgemeinde
von Bürgern, die in Freiburg ihre Arbeit finden, sucht man in
Stegen länger nach alten Steinkreuzen. — Wir beschränken uns
heute auf den Kernort. Wir beginnen unsere Beschreibung
mit dem sog. „Adelhauser Kreuz“ an der Straße von Ebnet nach
Stegen, also an der alten Villinger 205 Straße. Es wurde
unlängst im Zuge des Neubaus eines Fahrradweges (2002) leicht
versetzt und schaut in die untergehende Sonne. Mehrfach wurde
es auch von Dr. Rolf Miedtke gemalt und veröffentlicht.
Bereits 1215 hatte der Abt von St. Märgen dem Konrad von
Adelhausen das Wiesengelände vor dem Eingang des Tals zu
Erblehen zugeeignet. Seit dem spricht man bis heute von den
„Adelhauser Matten* und (später) vom Adelhauser Kreuz. Unter
dem tief herunter gezogenen Spitzdach verbirgt sich ein
Holzkreuz, das lange Jahre von der Familie Vogt aus dem
Attental versorgt wurde. Über das genaue Alter dieses Kreuzes
gibt es vermutlich keine exakten Hinweise. Es wurde in den
90er Jahren von der Gemeinde Stegen renoviert. Am
Ortsausgang nach St. Peter (Kreuzung Hauptstr. / Reichlegasse)
am Josephenhof der Familien Benitz/Utz stößt man auf ein Kreuz
aus dem Jahre 1904, das von Heinrich Gremmelspacher und
Philippine geb.? gestiftet wurde und die bekannte Aufschrift
trägt: O heil. Kreuz/ du bist der Grund/ des christl.
Glaubens/ der Stern der seligst.{ Hoffnung u. der / Opferaltar
der/ göttlichen Liebe. Gestiftet zur Ehre Gottes von Heinrich
Gremmelspacher und dessen Gattin Philippine geb. ..? 1904. Das
Kreuz sei gestiftet worden, als der Hof total überschuldet
war, die Bäuerin den Hof verließ und der Bauer noch einmal
einen Neuanfang wagen wollte. Renoviert wurde das 3,50 m hohe
Steinkreuz 1990, als die Besitzerin Frau Utz, eine Operation
gut überstanden hatte. Kleine und große Holzkreuze gibt
es auch in Stegen mehrfach, wohnt doch hier auch ein recht
bekannter Bildschnitzer. Ein rund 4 m hohes Holzkreuz unter
einem Spitzdach und mit Rückwand schmückt seit geraumer Zeit
den Stegener Friedhof, — ein kleines Holzkreuz sieht man am
Gasthaus „Hirschen“, die Familie Vogt hütet und pflegt
ihr Links oben: Das „Adelhauser Kreuz“ links an der
alten Villinger-Landstraße nach Freiburg wurde unlängst beim
Neubau des Radweges leicht versetzt. Rechts oben: Am
Ortsausgang nach St. Peter steht auf dem Gelände des
Josephenhofes (Familien Benitz/Utz) ein Sandsteinkreuz mit
einer bekannten Inschrift. Links unten: Das Stegener
Friedhofkreuz wurde vom einheimischen Stegener Bildschnitzer
Josef Nitz unlängst geschaffen. Rechts unten: An der
Kreuzung der Stegener Straße mit dem neuen Omnibus-Fahrweg
erinnert ein besonders gepflegtes Steinkreuz seit 1907 an die
Stifter Rombach. 206 207
Holzkreuz mit Kupferwalmdach an der Einbiegung nach
Oberbirken, ein markantes Hofkreuz findet sich an der
Stegenerstraße, gegenüber dem Abzweig nach Oberbirken, das
1907 aufgerichtet wurde. Erst unlängst wurde das 3,50 m hohe
Steinkreuz restauriert. Vor dem umgebauten Anwesen und der
neuen Straße ist es ein Schmuckstück in der Landschaft. Auf
der Sockelinschrift heißt es: DER KREUZWEG IST/ DES CHRISTEN
BAHN/ UND ICH DER HIRTE/ GEH VORAN/ WER DEN KREUZWEG NICHT
ERWÄHLT/ WER SICH NICHT ZU MIR GESELLT / WER OHNE LEIDEN HIER
WILL SEIN/ GEHT NICHT MIT MIR/ IN HIMMEL EIN/ ZUR EHRE DES
GEKREUZIGTEN HEILANDES, SEINER SCHMERZHAFTEN MUTTER MARIA UND
ZUM FROMMEN ANDENKEN AN DEN VERSTORBENEN EHEGATTEN JOHANN
ROMBACH GESTIFTET VON WITWE KAROLA ROMBACH GEB. ANDRIS. Unweit
davon, nahe beim Gasthaus „Sonne“ soll sich einst ein Unfall
mit Rössern ereignet haben und deswegen sei 1901 durch die
Familien Tritschler / Schlegel das Steinkreuz (heute Emil
Rebmann) „zur Ehre Gottes“ errichtet worden, auf dem man das
bekannte Gebet liest: Ich danke dir,/Herr Jesus Christ,/ daß
Du für mich/ gestorben bist./ Ach laß Dein Blut/ und Deine
Pein/ an mir doch nicht/ verloren sein. Schließlich findet man
in der Schulstraße 3 bei Familie Meixner vor dem hellen
Hintergrund des Neubaus einen kleinen, in einem Vorgärtlein
stehenden dunkelbraunen Bildstock, vor dem oft eine Öllampe
brennt. Unter einem geschwungenen Kupferdach erkennt man die
Kreuzigungsszene „Sieh da, deine Mutter, sieh da, Deinen
Sohn“, Maria und Johannes unter dem Kreuz. Über beiden Figuren
leuchten die Sonne bzw. der Mond. Der Besitzer war
Nachlaßverwalter für ein aufzulösendes Grab auf einem
Freiburger Friedhof, er ließ das schöne Grabkreuz aufarbeiten
und stellte es als Bildstock schmückend vor sein Haus.
* vgl. Amtliche Kreisbeschreibung Freiburg II/2.
Das
Buntsandsteinkreuz vor dem „Adler“ in Oberried
Das mächtige Kreuz an der Hauptstraße in Oberried und die
Geschichte des Gasthauses „Adler“ ist eine eigene Darstellung
wert, bringt es uns doch die wechselvollen Schicksale mehrerer
Generationen von Gastwirten und Oberrieder Bürgern
nahe.* Die Geschichte des wohl ältesten Oberrieder
Gasthauses läßt sich bis zum Jahre 1495 zurückverfolgen, als
ein „Schankwirt Meder“ erstmals für ein (dieses?) Gasthaus
erwähnt wird. Wie fast alle Wirtshäuser in dieser Zeit trägt
auch der „Adler“ den symbolischen Hinweis auf den Evangelisten
Johannes, während 2. B. der „Ochse“ auf den Evangelisten
Lukas, der „Löwe“ auf Markus, der „Engel“ auf Mathäus, die
„Krone“ oder die „Drei Könige“ ebenfalls auf kirchliche
Personen oder Ereignisse hindeuten: Ecclesia und Taberna —
Kirche und Wirtshaus, Ernstes und Heiteres gehören halt immer
zusammen. Der „Adler“ führt uns, — ähnlich wie beim
Gasthaus „Himmelreich“ am Eingang zum Höllental —
Lebensgewohnheiten, Not und Probleme, Aufstieg und Fall aus
früherer Zeit vor Augen. Da ist beispielsweise Mathias Rees
aus Horben (1724 — 1789), der 1745 vom Gastwirt Meder den
„Adler“ in Oberried für sich und seine junge Frau Catharina
Wisler erworben hatte, das Gasthaus aber 1759 seiner Mutter
Agatha (geb. Albrecht) überlassen muß, weil sie es für ihren
zweitgeborenen Sohn, Andreas Rees, sichern will. Bis zu dessen
Volljährigkeit (1789) betreibt sie das Anwesen selbst. Dieser
Andreas Rees (1) sieht sich unter den Töchtern im Tal um und
heiratet 1796 eine Agatha Wiederle (geb.1774 auf dem Helmlehof
in Weilersbach). Seine Frau stirbt — wie so oft in dieser Zeit
— bei der Geburt ihres ersten Kindes (1797), das nach dem
Vater Andreas Rees (2) heißt. Damit der Vater für seinen
kleinen Sohn eine Mutter hat, heiratet Andreas (1) wenig
später die Agatha Zipfel. Ob sie vom Rombachhof stammte, der
1781 abgebrannt war (und mit ihm die Mutter und 6 der 14
Kinder!) ist nicht gesichert. Andreas Rees (1) muß ein fähiger
Mann gewesen sein, denn man übertrug ihm für lange Zeit (bis
1819) das Amt des Vogtes. Damit war er auch für die
Gemeindesäge und den dazugehörigen Wald, der großenteils in
Staatsbesitz war, verantwortlich, mußte im Zuge der
Napoleonischen Kriege und des Über 209