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aus: HERMANN ALTHAUS
Kreuze, Bildstöcke und Grenzsteine im Dreisamtal und dessen Umgebung
Historische und religiöse Kleindenkmäler
SCHILLINGER VERLAG FREIBURG 2002

Der Bildstock an der Zartener Straße:
Die Herren von Kageneck 
Einsam am Straßenrand und gerade noch verschont vom Neubau der ortsverbindenden Straße steht, umgeben von einem schmiedeeisernen Gatter, auf dem Grund des „Rotebur“ Johann Zipfel an der Zartener Straße ein 3,80 m hoher neugotischer Bildstock mit einem eingelegten Alabasterrelief, das die Gottesmutter Maria an der Bahre ihres vom Kreuze abgenommenen Sohnes darstellt. Sowohl in der Ausführung (Dettlinger Freiburg) als auch durch die Gestaltung, zieht dieses „Marterl“ den kurzen Blick des Vorbeifahrenden auf sich. Man vermutet einen „adligen“ Hintergrund.  Warum steht dieses Marterl hier, was geschah einmal an der Straße nach Zarten?  Zuvor: Das Wort „Marterl“, vor allem in Bayern gebräuchlich, hängt mit „Martyrium“ zusammen und soll an die Marter des Gottessohnes erinnern oder an die Qual eines an dieser Stelle Verunglückten.  Der mehrfach getreppte vielkantige Unterbau des Schaftes aus Sandstein trug offenbar früher eine Heiligenfigur, über der sich am Kragenwulst das Wappen der in Stegen länger beheimateten adligen Familie „von Kageneck“ erkennen läßt. Im Schild trägt es einen Schrägrechtsbalken (offiziell aber „in Rot ein silberner Schrägrechtsbalken“), über dem Helm ist der Rumpf eines bärtigen Mannes zu erkennen, der mit einer gestulpten Spitzmütze bekleidet ist. Die Vorderseite des rechteckigen „Tabernakels“ zeigt hellweiß unter einem Rundbogen die oben genannte Pieta-Darstellung, während an den drei Seitenwänden in jeweils gotische Spitzbogen Sprüche mit Texten eingelassen sind, die z.T. den Klageliedern der Bibel entnommen sind. Einer davon lautet:  O Ihr alle , die ihr vorübergeht, habet Acht und schauet, ob ein Schmerz gleich meinem Schmerz! (Klagelied 1,12).  Das vierseitige Satteldach wird von einem Mäanderband umgeben und mit einer Art Kreuzblume oben abgeschlossen. Im unteren Bereich findet sich der kurze Text:  Franz von Kageneck verunglückte am 29. Mai 1895 hier im Alter von 35 Jahren.  18     Ein neugotischer Bildstock an der Zartener Straße erinnert an den Grafen Franz von Kageneck, der 1895 an dieser Stelle vom Pferd stürzte und an den Folgen des Unfalls verstarb.  gw  19 An diesem Tag ritt der junge Ehemann von Kirchzarten aus nach Hause, stürzte aber s0 unglücklich vom Pferd, daß er an den Folgen des Unfalls in Stegen verstarb. Seine trauernde Ehefrau, eine geborene Gräfin Wilhelmine von Linden, setzte — wie es auch heute die unglücklichen Hinterbliebenen an den Straßenrändern tun dieses Mahnmal zur Erinnerung an den Unglückstag. Der junge Franz von Kageneck, der mit 25 Jahren geheiratet und inzwischen 5 Kinder hatte, bezeichnete sich als Großherzoglich-badischer Grundherr von Munzingen, Stegen, Bleichheim, Unteribental und Merzhausen, war Ritter des kgl.bayr. Hausordens vom HI. Georg und kgl.-bayr. Kämmerer.  Die „von Kagenecks“, deren Hauptlinie heute noch in Munzingen daheim ist, waren seit etwa 1700 mit dem Weiler „Stegen“ belehnt. Graf Heinrich v. Kageneck (1886 —1957, verstorben durch einen Verkehrsunfall) wohnte im Stegener Schloß (heute: Kolleg St. Sebastian) bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die von Kagenecks hatten ehemals als kaiserliche Räte unter dem breisgauischen Adel bedeutende Ämter in Straßburg und Freiburg inne und stellten auch zeitweilig den Regierungspräsidenten von Innsbruck, dem hohen Verwaltungssitz für die vorderösterreichischen Lande. Sie genossen hohes Ansehen: Ludwig XV., der Freiburg belagerte, suchte sich dafür ein „standesgemäßes Quartier“ und wohnte 1744 in deren komfortablem Schloß in Munzingen, und Marie Antoinette übernachtete 1770 auf ihrem Brautzug nach Frankreich in einem der Kageneckschen Freiburger Stadthäuser. Maria Beatrix von Kageneck hatte vor ihrer Heirat hier ihre Jugend verbracht und wurde dann sogar die Mutter des österreichischen Staatskanzlers Metternich, der 1815 die Geschicke des Wiener Kongresses wesentlich lenkte. Sie informierte damals „aus erster Hand“ ihre adligen Standesgenossen im Breisgau über die unangenehmen Neuigkeiten vom „Wiener Kongreß“, konnte jedoch auch nicht verhindern, daß unser Gebiet jetzt vom katholischen Haus Habsburg für immer an das protestantische Haus Baden verwiesen wurde.  Obgleich bereits einmal Pläne bestanden, diesen o.g. Bildstock in den ehemaligen Schloßpark der Kagenecks nach Stegen zu versetzen, sollte er nach dem Willen des Grundstückseigners an der jetzigen Stelle weiter stehen. Er könnte auch heutige Verkehrsteilnehmer mahnen, daß die Stunde des Todes überraschend eintreten kann. 

Mord am St. Märgener Abt:
Das Anna-Kreuz bei Ebnet 
An der Gabelung am Ortsausgang von Ebnet, der alten Villinger Straße und der Straße ins Höllental, steht zwischen hoch aufragenden Bäumen das sogenannte „Anna-Kreuz“. Um dieses Kreuz ranken sich mehrere Geschichten.  Zunächst: Man hat ein klassisches „lateinisches Kreuz“ vor sich mit langgezogenem senkrechtem Balken ( im Gegensatz zum sog. „griechischen Kreuz“ mit gleichlangen Balken). Auf einem Vierkantfuß erhebt sich der Sockel mit einer Inschrift, über den Abdeckplatten erwächst der Stamm, an dem der (oft mit dem Stein verwachsene ) Korpus hängt, wobei die Balkenenden in flache, gespitzte oder wie hier in kleeblättrige Enden mündet. Der Korpus zeigt den Gekreuzigten, den     Das St. Annenkreuz am Ortsausgang Ebnet bei der Gabelung der alten Villinger Straße nach St. Peter ist voller Geheimnisse. Ob sich ein Körnchen Wahrheit darin verbirgt?  21 Kopf seit der Gotik meist auf die linke Schulter geneigt (vom Betrachter aus gesehen), das Lendentuch nach rechts geknotet, die Füße übereinander gelegt und durch nur einen Nagel gehalten. Die Inschrift auf dem Anna-Kreuz in Ebnet lautet:  ZUR EHRE GOTTES U. DES BITERN LEIDEN U. STERBEN UNSERS HERR U. ERLÖSERS JESU CHRISTE HAT DAVID STRECKER U. SEINE EHEFRAU MONIKA KOTTERER VON EBNET DIESES KREUZ ZUM ANDENKEN DER EHMALS HIER AUF DIESEM PLATZ GESTANDENEN ST. ANA KAPELLE ERRICHTEN LASSEN. Ano 1825.  Es hat hier also einmal (bis zum Abriß 1811) eine kleine Anna-Kapelle gestanden. Sie wird der Anna von Snewlin zugeschrieben, die hier als Sühne für einen Mord durch einen Verwandten die Kapelle errichten ließ. Immer schon hatte es als Folge des Investiturstreites Schwierigkeiten und Differenzen zwischen dem Augustiner-Kloster St. Märgen und dem der Benediktiner von St. Peter gegeben, weil sie verschiedenen politischen Richtungen (kaiserlich bzw. päpstlich) zugetan waren. Wohl auch aus politischen Gründen (wegen der Vogteirechte im Zusammenkhang mit dem Besitz der Burg Wiesneck) war hier 1356 der Abt Konrad von St. Märgen durch Johann Snewlin von Landeck, reichster Patrizier Freiburgs und auch Bürgermeister dort, überfallen und ermordet worden. Eine späte Nachfahrin, Anna von SnewlinLandeck (verheiratet mit Friedrich von Sickingen im [heutigen] Ebneter Schloß) hatte diese Kapelle etwa 1570 deswegen zur Sühne errichten lassen. Aber wegen des Mordes und der schnell entstehenden Legenden wurde auch erzählt, hier seien Hexen verbrannt worden oder ein französischer Soldat habe in der Hilarius-Kirche von Ebnet einen Kelch und geweihte Hostien geraubt und entehrt. Er sei an diesem Ort gestorben, doch sein frevelnder Arm sei aus dem Grab erwachsen und habe jeweils im Morgengrauen auf das Verbrechen verwiesen oder habe um Mitleid gebeten.  Märchen —Gespenstergeschichten — Aberglaube — Legenden ein Körnchen Wahrheit? Wer vermag das nach so langer Zeit noch zu entscheiden?  Dennoch wurde bis ins Jahr 1929 am Dreifaltigkeitssonntag wegen eines alten Gelübdes von Ebnet aus eine Prozession zu diesem Kreuz veranstaltet. 1930 aber, s0 berichten die Akten, wollte die Polizei die Straße für den Prozessionszug nicht mehr sperren, s0 daß man zum Stationskreuz ins Welchental ausweichen mußte. Ob die Sperrung nur wegen des zunehmenden Verkehrs ausgesprochen wurde? Oder war es eine erste Schikane des NS.-Staates? 

Reiter unterm Kreuz:
Das Longinus-Kreuz von St. Peter 
Unterhalb der Klostermauer von St. Peter am Parkplatz für die Touristen findet der aufmerksame Betrachter eine nur im Südschwarzwald bekannte Form von einem Holzkreuz: ein sogenanntes „Longinuskreuz“. Es steht hier seit 1990, wurde von der Gesellschaft der Kleindenkmalfreunde gestiftet, dem Freiburger Erzbischof Oskar Saier gewidmet, vom Freiburger Bildschnitzer Friedbert Andernach nach alten Vorlagen neu geschaffen. Ein Longinuskreuz ist keine „Kuriosität“, sondern eine plastische Verkündigung der biblischen Passionsgeschichte.  Wie kommt es zu diesem Namen?“  Nach römischem Recht war es notwendig, vor der Abnahme eines Gekreuzigten vom Holz, zu ermitteln, ob er denn tatsächlich tot sei. Dazu mußte ein Offizier durch einen Lanzenstich prüfen, ob Blut und Wasser aus der Stichwunde flossen. Griechisch heißt „die Lanze“ — „Lonche“, daraus gab man dem Lanzenträger in der frommen Legende den Namen „Longinus“ —Lanzenträger. Er ist also der Mann, der die oben bezeichnete Aufgabe hatte. Weil das jüdische Recht verlangte, Christus vor dem Paschafest vom Kreuze abzunehmen, prüfte dieser römische Offizier „Longinus“, ob der Tod wirklich eingetreten sei. Die Legende schmückt den Bericht allerdings weiter aus: ein Blinder, der unter dem Kreuz stand, dem ein Blutstropfen auf sein Auge fiel, wurde sehend, und auch der Hauptmann sagte: „ der war tatsächlich Gottes Sohn“.  Nach der frommen Legende kommt diese „Heilige Lanze“ durch Kaiser Karl als vornehmste Christusreliquie in den Schatz der deutschen Reichskleinodien und Heiligtümer. Durch den Soldaten Mauritius aus der thebaischen Legion soll sie in den Besitz der deutschen Kaiser gekommen sein. Der Sachsenkaiser Otto I. läßt sie in der entscheidenden Schlacht auf dem Lechfeld (955) gegen die Ungarn dem Heere vorantragen und schreibt seinen Sieg dieser „Heiligen Lanze“ zu. Seit dem 13. Jahrhundert gilt sie sogar als führendes Herrschaftszeichen.  Ungezählte christliche Maler haben diesen Moment des Lanzenstichs unter dem Kreuz aufgegriffen und in frommer Gläubigkeit künstlerisch  23 Kreuz zerbrach in größere Stücke, s0 daß der Kirchzartener Steinmetzmeister Rudolf Kleiner es aus den alten in der Wiese herumliegenden Teilen flicken konnte. Kaum restauriert schleuderte erneut ein Auto bis vor das Kreuz. In beiden genannten Fällen aber kamen die Fahrer mit dem Schrecken davon.  Die Badische Zeitung schrieb damals (30. August 1988) nach der Wiedererrichtung des Kreuzes durch Familie Maier:  Häufig sind historische Denkmäler an Wegen und Bächen, auf Feld und Flur verloren gegangen, die die traditionelle Lebensorientierung der ansüässigen Bewohner geprägt haben. Saurer Regen, der die alten Steine vorzeitig verwittern läßt, und Kleindenkmal-Diebstähle durch sogenannte Kunstfreunde tun ein übriges, um die beredten steinernen Zeugen aus unserer Vergangenheit zu dezimieren. Um s0 erfreulicher ist es, wenn eine traditionsbewußite Familie sich um die Wiederherstellung zerfallender Wegkreuze oder Bildstöcke kümmert“.  Diesen Worten ist auch heute nichts hinzuzufügen.  Im Zuge des Ausbaus des durchgehenden Radweges von Kirchzarten nach Oberried wurde übrigens das Kreuz durch die Gemeinde Kirchzarten um einige Meter nach hinten versetzt.    

Ein Gnadenstuhl — was ist das?
Die Dreifaltigkeitssäulen am Weg nach St. Peter 
In unserer mit Kapellen und Kreuzen als Zeichen christlicher Durchdringung so reich gesegneten Landschaft fällt eine Art von Kleindenkmal besonders auf : die steinernen „Gnadenstühle“. Auf dem Weg nach St. Peter gibt es deren drei: Am Scherpeterhof in Eschbach, bei der Einfahrt nach St. Peter (Bäckerei Kreuz) und am Kapfenhof in Richtung von St. Peter nach St. Märgen.  Ein Gnadenstuhl? Was ist das? Weder ein Krankenfahrzeug und schon gar nicht ein „elektrischer“ Stuhl aus Amerika, gemeint ist auch nicht der Beichtstuhl in der katholischen Kirche.  Martin Luther hat diese Übersetzung aus dem Lateinischen (thronum gratiae) gewählt, um damit ein zentrales Geheimnis des christlichen Glaubens zu verdeutlichen. Thn und viele andere Theologen und Philosophen, aber auch Maler und Bildhauer, beschäftigte nämlich die Frage aller Christen: Wie kann man sich einen Gott vorstellen, der „verschieden“ in den Personen und doch „eins“ ist im Wesen?  Genau dieser Frage stellten sich die Künstler und Steinmetzen, welche die hier angesprochenen „Gnadenstühle“ oder auch „Dreifaltigkeitssäulen“ geschaffen haben.  Während die Maler des frühen Mittelalters mit dem Problem kämpften, ob sie mehr die Verschiedenheit oder mehr die Einheit Gottes darstellen sollten, haben die Steinmetzen Anton Xaver Hauser und Alois Knittel das Problem sehr gut gelöst. Sie betonen die Einheit, in dem Gott Vater, der auf der Erdkugel sitzt, seinen gekreuzigten Sohn im Schoße trägt und der Heilige Geist in Gestalt einer Taube (wegen der Rückkehr in die Arche Noah Symbol für den Frieden und die Hoffnung) zwischen beiden in einem einzigen Stein verarbeitet sind. Die Dreiheit wird durch die verschiedenen „Aufgaben“ symbolisiert: Erdumspannende Schöpfung und Herrschaft, Kreuzestod als Erlösungstat und Hoffnung auf Auferstehung, Aussendung von Geist, Liebe und Frieden, doch alles in einem.  Der Gnadenstuhl am Scherpeterhof in Stegen-Eschbach ist 1770 von einem Mitglied der im Breisgau bedeutenden Steinmetzfamilie Hauser aus Kirchzarten geschaffen worden. Anton Xaver Hauser ist in  33 Beim Aufgang nach St. Peter vor der Kulisse der barocken Klosterkirche steht seit 130 Jahren der von Alois Knittel gearbeitete Gnadenstuhl.  34     Links: Die Dreifaltigkeitssäule beim Scherpeterhof in Stegen-Eschbach wurde von Anton Xaver Hauser 1770 geschaffen. Der Heilige Geist in Form der Taube ruht zwischen Gott Vater und dem Gekreuzigten. Der Versuch, die Einheit im Wesen Gottes und die Dreiheit in den Personen künstlerisch darzustellen, wird hier auf hervorravende Weise gelöst.  Rechts: Auch auf dem Kapfenhof bei St. Peter befindet sich ein wertvoller „Gnadensfuhl“ (1874). Die Benediktiner des Klosters hatten in ihrer Zeit die Verehrung der HI. Dreifaltigkeit besonders eifrig empfohlen.  der vierten Generation in diesem künstlerischen Beruf tätig. Seine Dreifaltigkeitssäule steht auf einem Sockel, auf dem ein Gebet, aber auch die Stifter genannt werden:  DIE BILDSAVL/ HAT HIE HER / STELEN LASEN/ DER EHRBARE/ PETER HUMEL/ VND SEINI EHFRAV AGATHA HAVERIN/ VND DISES ALES/ ZV GRÖSER EHR/ GODTES VND ZV/ VNSERM SELENHEIL  Der Gnadenstuhl aus Pfaffenweiler Sandstein mußte nach 200 Jahren (1970) unter Aufsicht des Denkmalamtes restauriert werden und wurde dabei von vier verschiedenfarbigen Ölschichten befreit. Über  85 den Anlaß der Aufstellung vor langer Zeit darf man spekulieren: Der Bauer Christian Scherer hatte keine Erben und verschenkte den Scherpeter-Hof an das junge Ehepaar Peter Hummel und Agatha Haury. Vielleicht haben die beiden aus Dankbarkeit diese Dreifaltigkeitssäule errichten lassen.  Der Gnadenstuhl bei der Bäckerei Kreuz „am Finkenwerd“ in St. Peter, vor dem Geburtshaus des ehemaligen Caritaspräsidenten Dr. B. Kreutz, ist etwa 1870 entstanden. Wahrscheinlich hat der Freiburger Bildhauer Alois Knittel ihn geschaffen und dabei Anregungen aus dem weiter unten im Tal stehenden Gnadenstuhl des A. X. Hauser geschöpft. Im Werkverzeichnis von Knittel findet sich der Eintrag im Februar 1868:  für „Kreuz, Müller in St. Peter, Gott Vater, sitzend, 3 Fuß hoch, 110 fl (Gulden).  Die Verehrung der Heiligen Dreifaltigkeit spielte im Umkreis des Klosters St. Peter offenbar eine große Rolle. Da gab es den Benediktinerpater Benedikt Bayer von Buchholz, von dem das Totenbuch später aussagt, daß er ein „glühender Verehrer der heiligsten Dreifaltigkeit war und ein eifriger Verbreiter dieses Kultes“. Vielleicht ist daraus auch zu erklären, daß später in St. Peter, auf dem Kapfenhof, noch einmal ein solcher Gnadenstuhl zu finden ist, eine „seltene Kostbarkeit“. Auf dem Sockel findet sich folgende Inschrift :  „Der wahre Christ mit/ Freuden preisst/ Den Vater, Sohn und heilgen Geist./ Ja hochgelobt sei alle/ Zeit/ Die heiligste Dreifaltigkeit. Dieses Denkmal haben/ errichten lassen/ der Kapfenbauer/ Josef Hummel/ und seine Ehefrau/ Theresia geb. Schwer im Jahre 1874.  Möglicherweise ließ der Kapfenhofbauer auch den Gnadenstuhl errichten, weil er selbst nach langer Krankheit wieder von seinem Hof aus ohne Stock und Krücken zur heutigen „Kapfenkapelle“ hinaufgehen konnte, (was man dort oben nachlesen kann!), ein Wunder, das seine gehbehinderte und kranke Frau Theresia sich ebenfalls erhoffte.  In einer Zeit ohne Krankenversicherung und versierte Ärzte nahm man eben seine Zuflucht zu den Heiligen und vertraute auf die Güte Gottes.  Es steht uns Heutigen wohl nicht an, dieses Vertrauen und diesen ehrlichen Glauben zu verspotten. 

Herzschlag am Straßenrand:
Der Tod an der Landstraße 
Möglicherweise war es ein erster heißer Samstag im April. Susanne Wangler von Buchenbach, 54 Jahre alt, war mit ihrem 70jährigen Onkel Fidel Wangler, (zeitweilig Bürgermeister der Gemeinde Buchenbach, dem siíe den Haushalt führte, weil er ledig war,) auf dem Rückweg von Freiburg nach Buchenbach, eine Strecke, die man 1889 noch zu Fuß ging, oder, wie in diesem Fall, mit dem Ochsenkarren zurücklegte. Vielleicht war ein dringender Arztbesuch notwendig gewesen, vielleicht aber hatten die beiden auch einen Korb mit Eiern und ein wenig „Anke“, der (!) Butter, auf dem Freiburger Wochenmarkt verkaufen können. Die Phantasie kann noch einiges hinzufügen, Genaueres wissen wir nicht. Jedenfalls muß sie sich an der ehemaligen B 31 unter einem Baum etwas ausgeruht haben, weil ihr Herz plötzlich s0 unruhig schlug. Trotz aller unbeholfenen Belebungsversuche stirbt sie an einem Herzversagen auf dem Wagen des Fidel Wangler, der ihr Seelenheil nur Gott anempfehlen kann.  Welch ein Schrecken für den hilflosen Mann seine tote Nichte, die uneheliche Tochter seiner Schwester Magdalena, auf dem Wagen, sie schien doch völlig gesund! Er kommt heim, mit der toten Frau im Stroh auf dem Wagen. Jeder kannte sie, weil sie es sich „mit kindlicher Freude und Frömmigkeit“ zur langjährigen Aufgabe gemacht hatte, „unter Opfern von Zeit und Geld“ die Altäre der Kirche in Buchenbach mit Blumen zu zieren.  Fidel Wangler setzte ein Kreuz an die Stelle der Straße nach Freiburg, wo er das Unglück erlebte. Er läßt sich die Aufstellung des Mahnmals etwas kosten. Er empfiehlt sich und die Tote der Jungfrau Maria, die am Kreuzesstamm zu ihrem gemarterten Sohn aufblickt. Er läßt links und rechts vom Kreuze, recht dicht, zwei Bäume pflanzen, damit die Kühe, wenn sie sich schaben, das Kreuz nicht umwerfen können. Er läßt folgende Inschrift in den Sockel eingravieren:  Samstag d. 27. April 1889 starb hier auf meinem Fuhrwerk in guter /Gesundheit neben meiner Seite / eines plötzlichen Todes / Susanna Wangler v. Buchenbach. / Zum Andenken dessen setzte dieses / Kreuz zur Ehre des leidenden / Heilandes Jesu Christe und seiner / schmerzhaften Mutter Maria / Fidel  37 Ein eindrucksvolles Kreuz an der alten B 31 erinnert an den plötzlichen Tod der Susanna Wangler aus Buchenbach im April 1889. Die Mahnung auf dem Sockel gilt auch heute noch für alle Autofahrer: „Betrachtet doch, wie schnell oft das Leben zu Ende geht“.     Wangler, Hofbauer, /ſund Altbürgermeister zu Buchenbach. 1889 / Alle, die vorüber gehen / betrachtet / doch, wie schnell / oft das Leben zu Ende geht /. 1889/ H. Mayer fecit.  Eine Mahnung, die über das Jahr 2000 Bestand hat.  Ein ähnlich tragischer Fall aus jüngerer Zeit verbirgt sich hinter dem weißen Marmor-Kreuz beim Nadlerhof in Oberbirken. Fin kleines Gärtchen mit einem Eisengitter umgibt das immer mit Blumen liebevoll gepflegte Denkmal. Anstelle eines Korpus findet man in der Kreuzmitte in einem Kreis JHS, die symbolische Abkürzungsformel für „JesUs, Heiland, Seligmacher“. Am unteren Schaftende bemerkt man einen Kelch, der von Weinlaub und Garben umrankt wird. Der Text im breiten Sockel lautet:  „Wer will das Schicksal wohl ergründen, das uns s0 Schweres auferlegt? Bei Gott allein ist Trost zu finden, er heilt die Wunden, die er schlägt. Errichtet von Familie Wirbser 1959.  Hinter diesem „Schicksal“, von dem die Rede ist, verbirgt sich eine menschliche Tragödie: der Nadlerhofbauer überfuhr beim Zurückstoßen mit dem Traktor sein eigenes Kind Albert, das unvorsichtigerweise hinter ihm spielte. Da lief die Bäuerin zum nahen „Haldenkreuz“ und betete inständig. Ihr Gebet fand Erhörung, den Mann traf keinerlei Schuld, aber Leid genug blieb in der Familie.  38     Ein tragisches Schicksal auf dem Nadlerhof in Oberbirken 1959: Unvergessenes Leid für eine ganze Familie.  Wieviel persönliches Schicksal verbirgt sich hinter den Kreuzen und Steinen in unserer Landschaft! Aber es ist, gottlob, nicht immer Leid, manchmal auch Dankbarkeit und Freude, die über die Steine zu uns sprechen. Wir sollten das Andenken daran schützen und pflegen!  Nachtrag: Nadlerhof-Nadelhof? Die Stegener Ortsgeschichte berichtet, daß an dieser Stelle einmal eine „Nadelschmiede“ gestanden habe, wovon sich der Name herleite. Der Hof sei 1916 abgebrannt, weil ein Bub ein Wespennest „zündeln“ wollte. Oberhalb des Hofes habe sich einmal das Weyler‘sche „Hohgericht“ mit dem Galgen befunden. Der Bergrücken trägt noch heute den Namen „Galgenbühl“, für dessen agrarische Nutzung der Nadlerbauer zu früheren Zeiten „9 Sester Haber“ (den sog. „Galgenhaber“) an die Stegener Herrschaft entrichten mußte. Der Bergrücken sei zwischen 1819 und 1822 abgeholzt worden, nachdem in diesem Wäldchen Maria Zähringer dort von Lorenz Pfister ermordet worden sei. Man habe in der Nähe des Hauses deswegen ein kleines Wegkreuz errichtet. (s. Maximilian Walter: Ortschronik v. Stegen, Ratschreiber und Bürgermeister von 1894 — 1936)  39 lediglich die beiden Alpha und Omega, christliche Zeichen für Anfang und Ende.  Dr. Herder-Dorneich sah hier die endliche Entschlüsselung des geheimnisvollen magischen Quadrates und hielt den mittelalterlichen Zauberspruch für ein „Kryptogramm“, ein geheimnisvolles Zeichen der Christen aus der Urzeit, die durch die Katakomben den Weg zu ihrer Opferstätte finden wollten, ähnlich dem Fisch (griechisch: ICHTHYS = JESOUS CHRISTOS THEOU HYOS SOTÄR = Jesus Christus, Gottes Sohn. Heiland) , der ja während der Zeit der Christenverfolgungen ebenfalls als verschlüsselter Hinweis zu den Opferstätten diente. Für den Verleger Herder-Dorneich war dieses magische Quadrat der Anlaß, seiner Kapelle den Namen „Vaterunser-Kapelle“ zu . geben.  Und was ist ein „Jerusalem Kreuz“, das viele Israel-Besucher von den heiligen Stätten kennen und auch mit zu uns brachten?  Es ist ein fünffaches Kreuz, ein großes aus vier T-Kreuzen zusammengesetztes Krückenkreuz mit vier kleineren griechischen Kreuzen in den jeweiligen Schenkelsektoren. Gottfried von Bouillon, einer der Anführer der europäischen Kreuzzüge, führte es 1096 in seinem Siegel, und so wurde es zum Wappen des damaligen Königreiches Jerusalem. Von dort nahmen es auch die Franziskaner und der „Orden vom Heiligen Grabe“ in Wappen und Siegel auf. Das mittlere große Kreuz interpretierte man lange als Symbol des Königreiches Jerusalem, die vier kleineren Kreuze sollten die Grafschaften Edessa, Antiochien, Tripolis und Kerak darstellen. Andere glaubten, die fünf Kreuze würden sich auf die Nationen beziehen, die den Hauptanteil an Kreuzfahrern stellten, nämlich Frankreich, England, Deutschland, Italien und Spanien. Wieder andere meinten, hier seien die fünf Wunden Christi symbolisiert. Es beleuchtet aber die Person Kaiser Wilhelms TI. daß er 1898 zur Erinnerung an seinen Jerusalem-Besuch eine Erinnerungsmedaille prägen ließ, auf der über den Armen des Jerusalem-Kreuzes ein goldener Rundschild mit Kaiserkrone und seinem Namenszug gelegt wurde.  Der Erbauer der Vaterunser-Kapelle, Dr. Theophil Herder-Dorneich, ließ das Jerusalem-Kreuz als ein Symbol ganz bewußt hinter dem Altar zwischen das oben beschriebene „Magische Quadrat“ auf dem Boden einlegen.  * Wie so oft hat Oskar Hog von Wagensteig mit seiner Erfassung und Inventarisierung von gut 50000 Namen aus dem ganzen Dreisamtal hier weitergeholfen. Danke! 

Kreuze östlich von Freiburg:
Vom Attental und Wittental ins Steurental und bis Eschbach 
Wer mit dem Auto von Freiburg in Richtung St. Peter fährt, sieht wenig hinter dem Abzweig Ebnet links den alten Breitehof liegen (Besitzer: Paul Steinhart), einen der stattlichsten Höfe des ganzen Dreisamtals mit seinen 14 nach Osten gewandten Fenstern, den drei Känsterles mit Heiligenfiguren darin und der Fridolinkapelle aus dem frühen 16. Jahrhundert neben dem Haus. Pfarrer Dr. Franz Kern hat in seinem Buch über die Dreisamtalkapellen darüber berichtet, und Dr. Rolf Miedtke hat Haus und Gegend mehrfach mit markanten Strichen gemalt. Aber wer mit dem Fahrrad von Freiburg aus Richtung Stegen unterhalb des Schloßbergs und Hirzbergs entlang fährt, sieht auf dem Spazierweg linker Hand ein braun in braun gehaltenes Holzkreuz mit der kurzen Inschrift: „Herr, zeige uns den Weg“. Wieviel Not und wieviel Gottvertrauen mag sich hinter dieser erst kürzlich errichteten Gedenktafel dieses schlichten Kreuzes verbergen!  Es sind nur 400 Meter bis links die geteerte Straße hinauf zum Café Faller, zum Gasthaus Bank und zur Schlangenkapelle ins Attental abzweigt. Auch die Diebe haben wohl den Weg genutzt, als sie in einer Novembernacht 1976 die kleine Madonna aus der Schlangenkapelle gestohlen haben, ein Gnadenbild, das auf eigenartige Weise 1978 an der Freiburger Autobahn von der Polizei wiedergefunden wurde. An diesem Abzweig zum Attental also steht seit 1814 ein hohes Steinkreuz mit schönen Dreipaßenden, auf dem noch zu lesen ist: „IHR ALLE DIE / IHR HIER GEHET/ VORBEY SEHT OB/ EIN SCHMERZ WIE DER/ MEINIGE SEY: DIESES KREITZ HAT/ HERSTELLEN LASSEN/ ZU DER EHRE GOTTES/ DER EHRSAME HAUSHER/ ANDREAS RAUFER/ UND SEINE EHFRAU/ KATRINA DRITSCHELER: BETE IM ATENTIN“ (?)1814. Den Raufer-Hof gibt es weiterhin und einer der Enkel, Andreas Raufer, hat später (1879) auf seinem Hof eine Kapelle errichten lassen, deren Glocke sogar seinen Namen trägt. Der Hof ist leider um 1870 mit allen Akten über die früheren Besitzer abgebrannt, s0 daß wohl nicht mehr festzustellen ist, ob ein besonderer Anlaß zur Errichtung des Kreuzes vorlag.  139 Links: Am Eingang zum Attental findet der Wanderer ein hohes Steinkreuz aus dem Jahre 1814. Es wurde von den Bauersleuten Andreas Raufer und seiner Ehefrau Katrina Dritscheler (Tritschler) errichtet. Da der „Rauferhof“ im Attental um 1870 abbrannte und alle Unterlagen vernichtet wurden, weiß man leider den Anlaß der Aufstellung nicht mehr.  Rechts: Das Attental aufwärts finden sich an vielen Höfen — hier am Hugenhof— zum Teil in der Hauswand oder hinter Glas, die Zeichen christlichen Glaubens und bäuerlicher Handwerkskunst.  Hinauf zur „Schlangenkapelle“ führt die Straße vorbei an einer großen Zahl von Hausund Hofkreuzen an Höfen und Wegen. Das Traditionsbewußtsein der Bauern aus dem Tal hat die Schlangen-Kapelle im Ortsteil Attental, der seit 1974 mit der Gemeinde Stegen vereinigt wurde, anno 1953 neu erstehen lassen. Es gibt eine Reihe von Berichten(*), die auf die Entstehung dieser Kapelle hindeuten: eine große Zahl von Kreuzottern, Ringelnattern und Vipern fühlte sich demnach im Attental wohl. Sie verschwanden auf wunderliche Weise. Deswegen hier die „Schlangenkapelle“! An den Häusern dieses Straßendorfes mit seinen z.T. heute noch geschlossenen Hofgütern (Bankscher Hof, Hugenhof, Albrechtshof) findet man fast überall noch einen Kruzifixus  140        Links: Vom Falkenhof mit seinem durch Ortsvorsteher Heizmann und seinen Getreuen wieder errichteten Kreuz geht es hinauf zum Recklehof im Wittental. Dort grüßt ein schlichtes Holzkreuz den Hof und seine Bewohner.  Rechts: Nahezu unbeachtet fährt man auf dem Weg nach Eschbach vorbei am ehemalieen Gasthaus „Engel“ (Familie Dold) mit seinem Kreuz von 1917 als Erinnerung an den gefallenen Mann und Vater.  meist in Holz, aber auch hinter Glas schützen die Bewohner „ihren“ Christus vor Raub und schädlicher Umwelt.  Man muß schon mächtig strampeln, um mit dem Rad am „Falkenhof“ vorbei hinauf ins Wittental zu fahren. Oberhalb des Hofes stand ursprünglich die Burg der Herren von Falkenstein. Sie waren als Ministeriale der Zähringer einst ins Land gekommen und hatten auf der heute noch „Falkenbühl“ genannten Stelle gebaut. Unter einer Linde am Falkenhof befand sich (1459) gar eine Gerichtsstätte. An der alten „Villingerstraße“ stand ursprünglich das „Sumserkreuz“, das beim Straßenneubau versetzt werden mußte und vom Blechner Drescher / Ebnet und Maler Ganter / Stegen kostenlos dem Ortschaftsrat Karl  141 Heizmann und seinen Getreuen zur weiteren Pflege überstellt wurde. Sowohl am „Recklehof“ (Bes. Alfred Fehr) als auch beim „Andresenhof“ (Karl Heizmann, Kreuz renov. 1969 und 1990 durch Lehrer Schober erneuert) kann der Wanderer ein Hofkreuz als Hinweis und Glaubensbekenntnis finden. Gerade dieser Hof von 1776, ein Bohlenständerhaus (Typ des jüngeren Heidenhauses) mit zweigeschossigem Wohnteil, Walmdach und an drei Seiten umlaufender hölzerner Galerie weist einen nahezu großbäuerlichen Charakter auf und deutet auf den ursprünglichen Reichtum vieler Bauern dieses Tales hin. 1974 wurden s0Wwohl das Attental wie Wittental nach Stegen eingemeindet.  Zum Steurental muß man noch ein Stück weiter fahren, durch Stegen und „Bärlachen“ (Hauskreuz und Känsterle) hindurch Richtung Reckenberg. Am ehemaligen Gasthaus „Engel“ mit einem immer noch schön vergoldeten Wirtshausschild liest man auf dem Sockel des dortigen Steinkreuzes und einer rötlichen Madonna: Im großen Weltkrieg/ 1917 haben Maria Dold/ und ihre Kinder/ dem verst. Gatten und Vater/ Adalbert Dold/ zum Andenken dieses/ Kreuz errichten lassen/ Jesus milder König DU/ gib den Toten ewige Ruh. Dass mein Ende selig werde/ wenn ich scheide von dieser Erde/ Zeige dich als Retter mir. Wenn Dein Blut, dass Du vergossen. (Text-Rest auf dem Sockel im Acker versunken).  Wenig hinter dem Schwabenhof mit einem Holzkreuz, dessen fleischfarbener Korpus an den Wundmalen rot blutet, biegt man linker Hand ab in Richtung Steurental und Reckenberg. An dem bekannten Landgasthof findet sich das ca. 150 Jahre alte aus dem Raum Hannover (!) sStammende Kreuz mit der Inschrift: Wenn das/ Weizenkorn nicht/ in die Erde fällt und/ stirbt, bleibt es allein/ wenn es aber stirbt/ bringt es reiche Frucht./ Joh. 12,24. O du Lamm Gottes/ das getragen aller/ Menschen Sünden / erbarme dich unser, gib/ uns deinen Frieden. Errichtet zur Ehre Gottes von / Franz Xaver Hug und Ehefrau/ Maria Rosa, geb. Läufer. 21. April 1993.  Statt eines Kruzifixus findet sich auf diesem Kreuz ein Ährenbündel, eine Rose windet sich am Steinkreuz entlang, die Balkenenden sind erneut kreuzförmig gestaltet, in einem dreieckigen DreifaltigkeitssymbolI findet sich ein Lamm mit einem Stab. Nach Aussage des heutigen Reckenberg-Chefs bezieht sich das oben genannte Datum auf einen Hochzeitstag seiner Eltern.  Im Steurental aufwärts liest man auf einem Kreuz am Weg unter Haus Nr. 40, dem ehemaligen „Schreiner Gütchen“ (Bes.: Maier / Krezmaier) : Sei heiliges/ Kreuz gegrüßet/ an dem mein Herr gehangen/ in bitterm Todesbangen. Amen. Seitlich liest man außerdem: Gewidmet von der Familie Karl Maier 1958 und seitwärts: Kleiner, Kirchzarten. Das ur 142  Links oben: Im Steurental beim Gasthaus Reckenberg sieht man ein Steinkreuz, das für unsere Gegend einen eigenartigen und besonderen Schmuck trägt.  Rechts oben: Das Steurental aufwärts, kaum berührt vom Fremdenverkehr, fällt am Schreinergütchen das von Rudolf Kleiner gearbeitete Kreuz auf, bevor man oben zum Martinshof gelangt, dessen Steinkreuz mehrfach versetzt wurde.  Rechts: Ein ausdrucksstarkes Kruzifix ist oben an der Hauswand des Bammerthofes im Steurental zu sehen.        143 sprünglich an der Straße befindliche Holzkreuz war nach dem Zweiten Weltkrieg erneuert worden aus Dank, weil der damalige Hofinhaber, mit Gelbsucht auf Urlaub, nicht mehr nach Norwegen zurück in den Krieg mußte, und dadurch vielleicht — vor dem frühen Tode gerettet wurde. Heute trägt das weiße Steinkreuz nur die angedeuteten Umrisse des Gekreuzigten, den der Kirchzartener Bildhauer Rudolf Kleiner gestaltete.  Vorbei am Schererhof der Familie Gremmelspacher mit ihrem Hofkreuz (Steurental 39) gelangt man zum „Bammerthof“ der Familie Schweizer, deren wertvolles hölzernes Hofkreuz oben an der Hauswand die Inschrift trägt: „Komm her / o Mensch betrachte/ mich/ Wandle fort und bekehre Dich.  Die Wanderung endet am Abschluß des Tales beim Martinshof (Fam. Ketterer), auf deren steinernem Hofkreuz man liest: „O, heiliges Kreuz/ du bist der Grund des christlichen/ Glaubens, der Stern/ der seligen Hoffnung/ und der Opferaltar/ der göttlichen Liebe. Als das Kreuz ca. 1990 vom Sturm umgeworfen worden war, wurde es näher ans Haus geholt. Das Kreuz ist ca. 1935, als der Hof abgebrannt war, von Wilhelm und Maria Ketterer, geb. Gremmelspacher „zur Ehre Gottes“ neu errichtet worden. Damals hatte die Familie mit ihren Tieren wenigstens noch einen Unterschlupf im nahen Schopf finden können.  Bei der Rückkehr zum Ausgangspunkt am Reckenberg kommt man schnell auch an den Ortsanfang von Eschbach, ebenfalls zu Stegen gehörig. Rechts an der Auffahrt zur Schule stößt man auf ein ca. 3,20 m hohes Steinkreuz mit vergoldetem Korpus, dessen drei Löcher in den Balken darauf schließen lassen, daß hier ursprünglich ein größerer Korpus hing. Das Aufstellungsjahr 1872 läßt sich noch erkennen, ebenso der Stiftername Karl Rombach und seine Ehefrau Maria Anna(?). Der Rest bleibt unleserlich. Besser ist es da bestellt am weiter aufwärts liegenden Hummelhof (Robert Hummel). Dort wurde das Kreuz (von 1880) zwar vom Sturm „Lothar“ an Weihnachten 1999 umgeworfen, aber aus den Mitteln „einer ungenannt bleibenden Freiburger Spenderin“ vom Steinmetz Rösch / Stegen von Grund auf erneuert. Es trägt die Inschrift: OH CHRIST SIEH MEINE/ LEIDEN MEIN BLEICHES/ ANGESICHT SIEH MEINE/ DORNENKRONE GEH HIN/ UND KLAGE NICHT/WILL DAS HERZ DIR/ BRECHEN AUF DEINER LEBENSBAHN SO KEHR/ ZU MIR WIEDER SIEH/ WAS MAN MIR GETAN.  144  Rechts: Oben im Steurental schützt ein Steinkreuz den Martinshof.  Links unten: Bei der Auffahrt zur Schule in Eschbach stößt man auf ein Granitkreuz mit vergoldetem Korpus, das 1872 von Karl Rombach gestiftet wurde.  Rechts unten: Wohl dem, der einen Mäzen findet, der die Kosten für die Renovation trägt, wie hier am Hummelhof in Eschbach. Nachdem der Sturm „Lothar“ das Kreuz umgeworfen hatte, fand sich eine ungenannt bleibende Spenderin, die das Kreuz restaurieren ließ.        145 Über das neue Kreuz am Pfisterhof in Burg a. Wald wurde an anderer Stelle bereits berichtet, ebenso über die in der Nähe befindlichen Kreuze am Wanglerund Altevogtshof. Am Sockel des Steinkreuzes beim Gasthaus „Schlüssel“, (dort, wo man — möglicherweise? — den „Schlüssel“ zum Eingang in die alte keltische Fliehburg Tarodunum vermutete!!) , liest man seit 1907 den bekannten Text: O heiliges Kreuz... usw. Gestiftet zur Ehre Gottes von Bernhard Bank und dessen Ehefrau Sophie Bank geb. Hummel. Der Kirchzartener Steinmetz Kleiner hat die Ornamente im Sockel und den neugotischen Spitzbogen in den 60er Jahren renoviert. — Von hier ist es nicht mehr weit nach Oberbirken und ins Rechtenbachtal, die beide zur Gemeinde Stegen gehören. Das Kruzifix mit einem tief gezogenen grünen Runddach erinnert an den 1890 abgebrannten Haldenhof, der Feuer fing als ein Bub ein Wespennest abflämmen wollte. Der Revierförster Wilhelm Decker sorgte dafür, daß hier jetzt eine kleine Bank zum Verweilen einlädt. Nahe beim „Gasthaus Sonne“ in Oberbirken liest man am Steinkreuz der Familien Tritschler / Schlegel: Ich danke Dir Herr Jesus Christ/, daß du für mich gestorben bist/. Ach laß dein Blut und deine Pein/ an mir doch nicht verloren sein/. Gestiftet zur Ehre Gottes von Elisabetha Tritschler und Sohn Karl Tritschler und Maria, Joseph und Wilhelm Schlegel. Hoffentlich fällt das Kreuz nicht dem gerade begonnenen Neubau zum Opfer!  Jetzt ist der Weg zum Rechtenbachtal naheliegend, weil man von dort aus auch zum Lindenberg aufsteigen kann. Das hölzerne Hofkreuz links beim Ziegelhof ist erst 1997 im Zusammenhang mit dem Ausbau des Reithofes (wieder?) errichtet worden. Am Rumishof (Fam. Rombach, 1969) hängt ein dunkler, kleiner Kruzifixus aus Metall auf einem massigen granitenen Kreuzbalken, auf dessen breiter Konsole in Goldschrift zu lesen ist: AN GOTTES SEGEN IST ALLES GELEGEN. Familie Rombach 1969. Rechts der Straße, am Kochhof, arbeitet seit kurzem ein junger Schmiedemeister (Rebmann) in seiner Werkstatt. Er hat ein sehr schönes Metallkreuz vor dem Hof renoviert und an passender Stelle neu errichtet. Korpus und weitere Details sind vergoldet, ein stolzer Hahn erinnert an die Geschichte mit der Verleugnung des Herrn durch Petrus, ein Dreieck symbolisiert die Dreifaltigkeit, ein flammendes Herz die Liebe. Ein Schmuckstück!  Am „Libding“, dem Altenteil des Fußenthomahofes, hängt ein schlichtes Hauskreuz an der Wand. Für einen Lateinschüler ein schöner Hinweis auf sogenanntes „Bauernlatein“. Die korrekte Inschrift des Titulus „INRI“ (Jesus Nazarenus Rex Judaeorum) wird nämlich ausge 164        Links oben: Im Rechtenbachtal findet man vor dem Aufstieg zum Lindenberg ein erneuertes Eisenkreuz, das der Schlossermeister Rebmann vor seiner Werkstatt wieder errichtet hat. Der Hahn erinnert an den Verrat des Petrus, das Dreieck symbolisiert die Dreifaltigkeit, und das  flammende Herz verdeutlicht Glaube,  Hoffnung und Liebe.  Rechts oben: Ein Indiz für „Bauernlatein“ liest man am „Libding“ des Fußenthomahof im Rechtenbach. Die ausgeschriebene Inschrift „INRI“ ist hier s0 „ungefähr richtig“ übersetzt.  Rechts: Ein Holzkreuz am Gasthaus „Rössle“ und ein steinernes Hofkreuz am Similishof im hinteren Rechtenbachtal laden den Wanderer zum Nachdenken ein.        165 schrieben und lautet hier: Jesus Nazare (!) Rexus (!) Judea (!). Klingt doch auch so ähnlich, oder?  Nur 100 Meter weiter in der Kurve beim Gasthaus Rössle (Fam. Dold) heißt es am Kreuz: „Das arme Herz hiernieden/ von manchem Sturm bewegt/ erlangt den wahren Frieden/ dort, wo es nicht mehr schlägt.“ Eine traurige Erkenntnis!  Schließlich gelangt man auf dem Weg zum Lindenberg an den Similishof mit seiner breiten Fensterfront und den drei eingerichteten Känsterles mit den Darstellungen von Josef, Maria und dem „Herz Jesu“. Das am Hof befindliche hell gestrichene Steinkreuz von 1902 trägt die Inschrift: „Was will das Kreuz/ das hier am Wege steht?/ Es will uns sagen:/ der Herr hat unsre/ Schuld getragen. Gestiftet zur Ehre Gottes von Friedrich Tritschler und Philomena Gremelspacher. 1902. Und wer keine Angst vor einem bellenden Hund hat, mag noch die paar Schritte vor dem eigentlichen Anstieg hinauf zum Lindenberg gehen, um rechts einen Blick auf das schöne hinter Glas geschützte Hofkreuz des Thomashofes mit den Initialen JN 1889 AM(?) (Josef Nietz und Amalie? Rombach) zu werfen. Auch hier findet sich, wie im ganzen Rechtenbachtal, ein Hinweis auf den vertrauensvollen Glauben der Menschen unseres weiten Dreisamtales. 

Kreuze im Zastlertal:
Von einer Hofbauernzu einer Holzhauergemeinde 
Bauern hatten am Ende des Mittelalters auch dieses rund 8 km lange und von Eiszeitgletschern geschaffene Schwarzwaldtal längs des „Osterbaches“ besiedelt. Viele Hofgründungen waren aber, wie auch andernorts, aus Mangel an Bodenund klimatischen Kenntnissen oder aus Wassermangel wieder eingegangen. Am stärksten war die Aufgabe von Höfen am Ende des 19. Jahrhunderts, so daß man von einem richtigen Bauernsterben, bzw. einer sozialen Umschichtung sprechen muß. Frucht mußte teilweise von auswärts angekauft werden, der Boden war ausgelaugt. Der Staat und die verschiedenen adligen Herrschaften hatten die kleineren, unrentablen Höfe aufgekauft und das ehemalige Ackerland weitgehend aufgeforstet. Man argumentierte, die kleinen Höfe seien nur Nebenerwerbsbetriebe gewesen, die dem Bergbau, der Glasindustrie und anderen Gewerben ihre Entstehung verdankten“. Der Boden sei für den Ackerbau ungeeignet und biete bessere Möglichkeiten für den Holzanbau. Innerhalb von 85 Jahren des 19. Jahrhunderts waren alle Höfe und Gütchen in das Eigentum des Staates übergegangen, und, da keine anderen Käufer zu finden waren, war der Kaufpreis für den Staat entsprechend niedrig. Die ehemaligen Bauern waren verstorben, verzogen oder fanden in wenigen Fällen ihren neuen Beruf im (lukrativeren?) Forstbereich der neu entstehenden Wälder. Die Fichte wurde der „Brotbaum“ der Menschen, die jetzt als Sägbauern, Taglöhner und Holzhauer ihr Auskommen suchten, von auswärts als Holzfäller in staatlichen Diensten angeworben wurden und als Pächter nebenberuflich etwas Landwirtschaft betrieben. Aus einer Hofbauerngemeinde wurde eine Holzhauergemeinde. Durch die Anwerbung von Waldarbeitern von auswärts ergab sich eine zusätzliche Umschichtung der Bevölkerung, eine starke Fluktuation war die Folge, der „Überschuß“ an Männern beträchtlich. — Um 1945 waren nahezu alle Anwesen im Zastlertal in staatlichem Besitz. Aber im neugeschaffenen Land Baden-Württemberg nahmen ab 1960 (auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Albert Sackmann und des Rektors Schill) die Pläne für eine Reprivatisierung des Bodens an kaufwillige Bauern oder Waldarbeiter Gestalt an, wenngleich es auch zwischen  167 der Baum/ umfangen hält das viel/ verachtet Bild aus Stein/ und nimmt ihn ganz/ in sich hinein den/ Schmerzensmann/ den Herrn der Welt (Spruch von Fritz Hockenjos, 1955). Und das andere Täfelchen: Der Buche Stamm umklammert dieses Bild von Stein/ Nie mehr läßt er den leidenden Heiland los/ s0 umfasse auch Du ihn mit der Seele Dein/ damit es Dich aufnimmt in seinen Schoß BMNOP (Spruch von Benedikt Momme Nissen, Ordinis Praedicatorum, 1935). Forst, Naturschutz und Tradition haben ihren Kompromiß gefunden!  Seit 1986 liegt also mindestens der Kopf wieder frei. Die Gemeinde Gütenbach schützte den Wurzelring mit Mutterboden und friedete das Kreuz mit Porphyrsteinen ein, s0 dass das Naturdenkmal, der „Balzer Herrgott“, in seiner Waldeinsamkeit für weitere Jahre geschützt ist. Eine Einkehr zu ihm läßt Ruhe finden. Versuchen Sie es! Und die Landschaft dort oben ist wunderbar.  Übrigens lädt das Gelände um den „Balzer Herrgott“ zu weiterem Wandern ein. Und der Oberfallengrund, auf dem seit vielen hundert Jahren „die Fallers“ (aus der bekannten Fernsehserie) saßen, reizt zu einer kurzen Nachbetrachtung, weil dort einer der bekanntesten Bildschnitzer des Schwarzwaldes, Matthias Faller, 1707 geboren wurde. Er entstammt einer Familie, von denen drei Mitglieder noch Mitte des 17. Jahrhunderts wegen „Hexerei“ verbrannt wurden“, die aber auch mit den berühmten Künstlerfamilien „Winterhalder“ und den Kirchzartener „Hauser“ verwandt ist, — einer der Winterhalder sogar gesuchter Porträtmaler am Königshof in Paris, die „Hauser“ in vier Generationen als Bildschnitzer und Bildhauer im ganzen Oberrheingebiet tätig. Matthias Faller hat auch in Kirchzarten gearbeitet. Und dann liegt noch nahe beim Oberfallengrund der ehemalige „Königenhof“, der am 24. Februar 1844 von einer Schneelawine verschüttet wurde, wodurch 16 Personen den Tod fanden, von denen eine Tafel auf dem Friedhof in Neukirch kündet. Noch heute spielen die Bewohner im Joostal auf ihrer Freilichtbühne recht ergreifend und mundartlich echt die Geschichte vom reichen Königenhof-Bauern, dem Uhrenhändler Hilari und dem Cajetanbauern, die um Mitternacht beim Cegospielen vom Lawinentod überrascht wurden. Manche meinen übrigens, der „Balzer Herrgott“ habe ursprünglich auf dem Königenhof gestanden und sei nach der Katastrophe an seinen jetzigen Platz gelangt.  * vgl. Karl Krieg: Bad. Zeitung 29.1. 1987; Gesch. St. Märgens, Schriftenreihe Schwarzwaldverein, Fritz Hockenjos, Wäldergeschichten. 

Kreuze in Stegen 
Die Gemeinde Stegen hat zwischen 1955 und 1980 ein starkes, sogar stürmisches Wachstum erfahren. Zahlreiche Bebauungspläne für in Freiburg beschäftigte Neubürger ließen die Zahl der Einwohner über 2000 ansteigen. Mit Oberbirken, Rechtenbach, Schloß Weiler und Unterbirken und der dazu gehörigen Infrastruktur (priv. Kolleg St. Sebastian, staatl. Gehörlosenschule etc.) ist die Gemeinde Stegen eine bevorzugte Wohnstätte im Zartener Becken geworden. Ihr Mittelpunkt war lange Zeit das Schloss „Weiler“ der Herren von Reischach, dessen gotische Hofkapelle bereits um 1493 entstanden ist. Das Lehen „Weiler“ kam 1702 an den Freiherrn Johann Friedrich von Kageneck, dessen Nachfahren in einer Seitenlinie das Schloß bzw. die Anbauten bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts bewohnten. Das Schloß lag ursprünglich an der alten „Villinger Landstraße“, die von Freiburg über Ebnet heranführte, aber im 18. Jahrhundert ihre Bedeutung einbüßte, als man über Zarten und das Höllental die Hochfläche bei Neustadt erreichte. Das Gemeindewappen mit dem gold-grünen Hinweis auf die Herrschaft der Snewlins und dem blau-gold springenden Hirsch von St. Blasien deutet die ehemaligen Anrechte verschiedener Herrschaften an. — Michelishof, Grundhansenhof, Thomashof, Josephenhof, Reichlehof und Reckenhof weisen jedenfalls mit ihren Namen immer noch darauf hin, daß Stegen einst eine reine Bauerngemeinde war, die größtenteils, auch kirchlich (bis 1959 /bzw. 1970), nach Kirchzarten orientiert war, aber durch eine erneuerte Trinkwasserund Stromversorgungsanlage und die Ausweisung zahlreicher Neubaugebiete ihren bäuerlich-dörflichen Charakter verloren hat. Diesen findet man jedoch weiterhin in den Seitentälern Attental, Wittental, Reckenberg, Steurental und Eschbach, die nach der Gebietsreform von 1974 ebenfalls zur Gemeinde Stegen gehören. Wegen der Umwandlung und Neubesiedlung von einer Bauerngemeinde zu einer Vorortgemeinde von Bürgern, die in Freiburg ihre Arbeit finden, sucht man in Stegen länger nach alten Steinkreuzen. — Wir beschränken uns heute auf den Kernort.  Wir beginnen unsere Beschreibung mit dem sog. „Adelhauser Kreuz“ an der Straße von Ebnet nach Stegen, also an der alten Villinger  205 Straße. Es wurde unlängst im Zuge des Neubaus eines Fahrradweges (2002) leicht versetzt und schaut in die untergehende Sonne. Mehrfach wurde es auch von Dr. Rolf Miedtke gemalt und veröffentlicht. Bereits 1215 hatte der Abt von St. Märgen dem Konrad von Adelhausen das Wiesengelände vor dem Eingang des Tals zu Erblehen zugeeignet. Seit dem spricht man bis heute von den „Adelhauser Matten* und (später) vom Adelhauser Kreuz. Unter dem tief herunter gezogenen Spitzdach verbirgt sich ein Holzkreuz, das lange Jahre von der Familie Vogt aus dem Attental versorgt wurde. Über das genaue Alter dieses Kreuzes gibt es vermutlich keine exakten Hinweise. Es wurde in den 90er Jahren von der Gemeinde Stegen renoviert.  Am Ortsausgang nach St. Peter (Kreuzung Hauptstr. / Reichlegasse) am Josephenhof der Familien Benitz/Utz stößt man auf ein Kreuz aus dem Jahre 1904, das von Heinrich Gremmelspacher und Philippine geb.? gestiftet wurde und die bekannte Aufschrift trägt: O heil. Kreuz/ du bist der Grund/ des christl. Glaubens/ der Stern der seligst.{ Hoffnung u. der / Opferaltar der/ göttlichen Liebe. Gestiftet zur Ehre Gottes von Heinrich Gremmelspacher und dessen Gattin Philippine geb. ..? 1904. Das Kreuz sei gestiftet worden, als der Hof total überschuldet war, die Bäuerin den Hof verließ und der Bauer noch einmal einen Neuanfang wagen wollte. Renoviert wurde das 3,50 m hohe Steinkreuz 1990, als die Besitzerin Frau Utz, eine Operation gut überstanden hatte.  Kleine und große Holzkreuze gibt es auch in Stegen mehrfach, wohnt doch hier auch ein recht bekannter Bildschnitzer. Ein rund 4 m hohes Holzkreuz unter einem Spitzdach und mit Rückwand schmückt seit geraumer Zeit den Stegener Friedhof, — ein kleines Holzkreuz sieht man am Gasthaus „Hirschen“, die Familie Vogt hütet und pflegt ihr  Links oben: Das „Adelhauser Kreuz“ links an der alten Villinger-Landstraße nach Freiburg wurde unlängst beim Neubau des Radweges leicht versetzt.  Rechts oben: Am Ortsausgang nach St. Peter steht auf dem Gelände des Josephenhofes (Familien Benitz/Utz) ein Sandsteinkreuz mit einer bekannten Inschrift.  Links unten: Das Stegener Friedhofkreuz wurde vom einheimischen Stegener Bildschnitzer Josef Nitz unlängst geschaffen.  Rechts unten: An der Kreuzung der Stegener Straße mit dem neuen Omnibus-Fahrweg erinnert ein besonders gepflegtes Steinkreuz seit 1907 an die Stifter Rombach.  206     207 Holzkreuz mit Kupferwalmdach an der Einbiegung nach Oberbirken, ein markantes Hofkreuz findet sich an der Stegenerstraße, gegenüber dem Abzweig nach Oberbirken, das 1907 aufgerichtet wurde. Erst unlängst wurde das 3,50 m hohe Steinkreuz restauriert. Vor dem umgebauten Anwesen und der neuen Straße ist es ein Schmuckstück in der Landschaft. Auf der Sockelinschrift heißt es: DER KREUZWEG IST/ DES CHRISTEN BAHN/ UND ICH DER HIRTE/ GEH VORAN/ WER DEN KREUZWEG NICHT ERWÄHLT/ WER SICH NICHT ZU MIR GESELLT / WER OHNE LEIDEN HIER WILL SEIN/ GEHT NICHT MIT MIR/ IN HIMMEL EIN/ ZUR EHRE DES GEKREUZIGTEN HEILANDES, SEINER SCHMERZHAFTEN MUTTER MARIA UND ZUM FROMMEN ANDENKEN AN DEN VERSTORBENEN EHEGATTEN JOHANN ROMBACH GESTIFTET VON WITWE KAROLA ROMBACH GEB. ANDRIS. Unweit davon, nahe beim Gasthaus „Sonne“ soll sich einst ein Unfall mit Rössern ereignet haben und deswegen sei 1901 durch die Familien Tritschler / Schlegel das Steinkreuz (heute Emil Rebmann) „zur Ehre Gottes“ errichtet worden, auf dem man das bekannte Gebet liest: Ich danke dir,/Herr Jesus Christ,/ daß Du für mich/ gestorben bist./ Ach laß Dein Blut/ und Deine Pein/ an mir doch nicht/ verloren sein. Schließlich findet man in der Schulstraße 3 bei Familie Meixner vor dem hellen Hintergrund des Neubaus einen kleinen, in einem Vorgärtlein stehenden dunkelbraunen Bildstock, vor dem oft eine Öllampe brennt. Unter einem geschwungenen Kupferdach erkennt man die Kreuzigungsszene „Sieh da, deine Mutter, sieh da, Deinen Sohn“, Maria und Johannes unter dem Kreuz. Über beiden Figuren leuchten die Sonne bzw. der Mond. Der Besitzer war Nachlaßverwalter für ein aufzulösendes Grab auf einem Freiburger Friedhof, er ließ das schöne Grabkreuz aufarbeiten und stellte es als Bildstock schmückend vor sein Haus.  *  vgl. Amtliche Kreisbeschreibung Freiburg II/2. 

Das Buntsandsteinkreuz vor dem „Adler“ in Oberried 
Das mächtige Kreuz an der Hauptstraße in Oberried und die Geschichte des Gasthauses „Adler“ ist eine eigene Darstellung wert, bringt es uns doch die wechselvollen Schicksale mehrerer Generationen von Gastwirten und Oberrieder Bürgern nahe.*  Die Geschichte des wohl ältesten Oberrieder Gasthauses läßt sich bis zum Jahre 1495 zurückverfolgen, als ein „Schankwirt Meder“ erstmals für ein (dieses?) Gasthaus erwähnt wird. Wie fast alle Wirtshäuser in dieser Zeit trägt auch der „Adler“ den symbolischen Hinweis auf den Evangelisten Johannes, während 2. B. der „Ochse“ auf den Evangelisten Lukas, der „Löwe“ auf Markus, der „Engel“ auf Mathäus, die „Krone“ oder die „Drei Könige“ ebenfalls auf kirchliche Personen oder Ereignisse hindeuten: Ecclesia und Taberna — Kirche und Wirtshaus, Ernstes und Heiteres gehören halt immer zusammen.  Der „Adler“ führt uns, — ähnlich wie beim Gasthaus „Himmelreich“ am Eingang zum Höllental — Lebensgewohnheiten, Not und Probleme, Aufstieg und Fall aus früherer Zeit vor Augen. Da ist beispielsweise Mathias Rees aus Horben (1724 — 1789), der 1745 vom Gastwirt Meder den „Adler“ in Oberried für sich und seine junge Frau Catharina Wisler erworben hatte, das Gasthaus aber 1759 seiner Mutter Agatha (geb. Albrecht) überlassen muß, weil sie es für ihren zweitgeborenen Sohn, Andreas Rees, sichern will. Bis zu dessen Volljährigkeit (1789) betreibt sie das Anwesen selbst. Dieser Andreas Rees (1) sieht sich unter den Töchtern im Tal um und heiratet 1796 eine Agatha Wiederle (geb.1774 auf dem Helmlehof in Weilersbach). Seine Frau stirbt — wie so oft in dieser Zeit — bei der Geburt ihres ersten Kindes (1797), das nach dem Vater Andreas Rees (2) heißt. Damit der Vater für seinen kleinen Sohn eine Mutter hat, heiratet Andreas (1) wenig später die Agatha Zipfel. Ob sie vom Rombachhof stammte, der 1781 abgebrannt war (und mit ihm die Mutter und 6 der 14 Kinder!) ist nicht gesichert. Andreas Rees (1) muß ein fähiger Mann gewesen sein, denn man übertrug ihm für lange Zeit (bis 1819) das Amt des Vogtes. Damit war er auch für die Gemeindesäge und den dazugehörigen Wald, der großenteils in Staatsbesitz war, verantwortlich, mußte im Zuge der Napoleonischen Kriege und des Über 209