|
Falkenbühl und die Falkensteinische Herrschaft |
|
....Die Burg Falkenstein am Eingang zur Höllentalschlucht muß demnach bereits um 1100 errichtet worden sein. Zu diesem frühen Zeitansatz führen aber nicht nur die urkundlich überlieferten Nachrichten über das erste Auftreten des Geschlechtes, er entspricht sowohl der allgemeinen Entwicklung wie auch vollkommen dem Bild, das der Rotulus Sanpetrinus über die Ministerialität im Umkreis der Zähringer für diese Periode vermittelt. In die gleiche Richtung weisen aber auch die Ergebnisse, welche die Betrachtung der Siedlungsgeschichte der Falkensteinischen Herrschaft liefert. Schon bisher nahm die Forschung an, daß die Falkensteiner vor der Erbauung ihrer Burg am Eingang zum Höllental ihren Sitz im Zartener Becken hatten. Die topographischen Karten verzeichnen in der Gemarkung Wittental auf einem kleinen aber einen weiten Blick gewährenden Hügel beim Wohnplatz Baldenweger Hof den Burgstall Falkenbühl. Das ganze Gelände um die Burg - die sich bezeichnenderweise unmittelbar an das Hofgut anschloß und wohl nur aus einem Wohnturm bestand - befand sich zusammen mit den beiden Höfen im Besitz der Herren von Falkenstein. Zu Falkenbühl "unter der Linde" wurde noch 1459 Gericht gehalten. Die Situation des Wohnturmes beim Meierhof paßt vorzüglich zu einem Adelssitz im Altsiedelland vor der Erbauung der Höhenburgen. Die bei ihnen sitzenden Adelsgeschlechter nannten sich noch nicht nach der Burg, sondern nach dem Ort, zu dem diese gehörte. Derartige Anlagen trugen im allgemeinen zunächst keinen eigenen Namen. Insofern ist es zweifelhaft, ob der Name Falkenbühl die ursprüngliche Bezeichnung des Burgsitzes ist und ob es sich nicht vielmehr um eine vom Namen Falkenstein abgeleitete sekundäre Form handelt. Schon von der Topographie her ist es jedoch völlig auszuschließen, daß der Falkenbühl je den Namen Falkenstein getragen habe und dieser von hier auf die Burg im Höllental übertragen worden wäre. Daß Hof und Burg Falkenbühl mit hoher Wahrscheinlichkeit der ältere Sitz der Falkensteiner waren, wird noch durch einen weiteren wichtigen Tatbestand erhärtet. Mit den Falkensteinern eng verwandt waren in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Herren von Weiler. Diese hatten ihren namengebenden Sitz - ebenfalls auf einer kleinen Erhöhung und im Anschluß an einen Wirtschaftshof - nur etwa einen Kilometer vom Falkenbühl entfernt, in Weiler auf Gemarkung Stegen. Die Falkensteiner Höfe zu Baldenweg grenzten nicht nur an das Hofgut Weiler unmittelbar an, die Herren von Falkenstein waren auch selbst zu Weiler bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts begütert. Andererseits - und dies führt wieder unmittelbar zum Thema "Höllental" zurück - hatte Reginhard von Weiler mitten im Rodungsgebiet der Falkensteiner Besitz: er schenkte zwischen 1122 und 1152 eine Hufe zu Hinterzarten und die Hälfte des Sees am Feldberg an das Kloster St. Peter. Die Familien Falkenstein und von Weiler waren so eng miteinander verflochten, daß man den Eindruck gewinnt, es handle sich um zwei Linien eines einzigen Geschlechts, das sich etwa um 1100 erst getrennt hat. Zu dieser Auffassung trägt besonders bei, daß die Herren von Weiler um 1125 - wie schon bemerkt nicht nur in Hinterzarten begütert waren, sondern auch Anteil am Feldsee hatten und die Falkensteiner genau in diesem Anteil ihre Besitznachfolger waren. Die geschlossene, durch Rodung erworbene Herrschaft der Falkensteiner "auf den Wald" reichte vom östlichen Rande des Zartener Beckens bis zum Titisee, dessen südwestlicher Teil noch dazu gehörte, und folgte von da dem Seebach entlang mitten durch den Feldsee hindurch bis auf die Höhe des Feldbergs. Die Ostgrenze ihres Territoriums verlief über Steig und Breitnau bis zum Turner und Hohlen Graben im Norden. Sie umschloß somit die Gemarkungen, Hinterzarten, einen Teil der Gemarkung Feldberg sowie die von Falkensteig, Breitnau und Steig.... |
Aus: Schäfer, Alfons.
Die Höllentalstraße.
Ihre Erschließung und ihre Bedeutung für den Handelsverkehr vom Mittelalter bis
ins 19. Jahrhundert,
in: Erich Hassinger u.a. (Hrg.).
Geschichte. Wirtschaft. Gesellschaft.
Festschrift für Clemens Bauer zum 75.
Geburtstag. Berlin
1974.