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Eine wertvolle Unterlage für die Steuerung einer günstigen Entwicklung und für die Zukunft
Badische Zeitung ca. 1965

Der Flächennutzungsplan der Gemeinde Stegen
ist fertiggestellt und durch Beschluß des Gemeinderats genehmigt. Damit fand der Plan, der von Professor Erich Heck, Konstanz, aufgestellt wurde, die Zustimmung der Gemeinde. 

Der Flächennutzungsplan weist eine graphische Darstellung des Wachstums der Bevölkerung auf. Danach betrug die Einwohnerzahl im Jahre 1852 348 Einwohner, 1919, nach dem Ersten Weltkrieg, 385, 1939, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, 421, 1946, am Ende des Krieges, 430, 1951: 464, 1961: 658 und 1964: 774. 

Daraus geht hervor, daß die Gemeinde zwischen 1951 und 1961 den überhaupt stärksten Bevölkerungszuwachs hatte. Der Anteil der Neubürger liegt bei 20 Prozent. 

altes Wappen
              von Stegen - Stegenalt
Die Gemeinde Stegen führt das nachfolgend beschriebene, hier abgebildete Wappen: Im gespaltenen Schild, vorne von Gold und Grün geteilt, hinten in Blau ein goldener, steigender Hirsch. Das Wappen wurde 1899 von der Gemeinde angenommen (vor 1975) . Stegen war ein ehemaliger Besïtz von St.Blasien, später der Snewelin von Weiler. Der Hirsch erinnert an die Zugehörigkeit zu St.Blasien, die von:Gold und Grün geteilte Schildhälfte an die Zeit der Zugehörigkeit zum Besitz der Herren von Snewelin. Das Wappen, auf Pergament gemalt, schmückt das Ratszimmer der Gemeinde Stegen.

Es kann angenommen werden, daß die günstige Lage eine weitere Entwicklung der Einwohnerzahl erwarten läßt. Nach einer Schätzung der Planungsgemeinschaft Breisgau wird die Gemeinde Stegen im Jahre 1990 etwa 1100 Einwohner haben. Dieser Entwicklung trägt die Gemeinde durch den Neubau der Volksschule Rechnung. Auf dem Gelände, das bereits im Besitz der Gemeinde ist, sollen außerdem eine Turnhalle und ein Rathaus errichtet werden. Da auch zwei große Baugenossenschaften in Bälde mit ihren Bauvorhaben beginnen wollen, außerdem das Projekt einer staatlichen Schwerhörigen- und Gehörlosenschule im Nordwesten der Gemeinde planmäßig abgeschlossen ist, wird die Bevölkerungszahl in den nächsten Jahren rasch wachsen. So kann bis 1990 voraussichtlich  mit 1500 Einwohnern gerechnet werden, eine Zahl, die bei der Berechnung des Wohnflächenbedarfs zugrunde gelegt wurde. Mit dreizehn Hektar ist der Bedarf für die erste Baustufe festgelegt, was einer Bevölkerungsdichte von 60 Einwohnern je Hektar entspricht. 

Stegen hat zahlreiche Auspendler
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Bewegung der Pendler. Neben einer Zählung im Jahre 1961 wurden neun Einpendler und 126  Auspendler festgestellt, eine Zahl, die sich heute auf 150 erhöht hat. 

Bei dieser Zählung wurden insgesamt 226 Erwerbstätige erfaßt, von denen je 20 Prozent in der Landwirtschaft und im Baugewerbe beschäftigt sind. Alle anderen Berufszweige erreichen niedrigere Prozentzahlen, was beweist, daß die einheimische Landwirtschaft lebensfähig ist. Besonders jene Höfe, die inmitten ihrer wichtigsten Betriebsflächen liegen. Der Ausfall an Arbeitskräften konnte größtenteils durch Motorisierung und Rationalisierung ausgeglichen werden. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch der geplante Bau einer Milchzentrale, zu deren Bau sich die Einwohner durchgerungen haben.

Industrieansiedlung ist nicht vorgesehen
Für den zu erwartenden Bevölkerungszuwachs müssen etwa 180 Arbeitsplätze in Industrie und Gewerbe geschaffen werden. Dieser Bedarf soll nach den Richtlinien der Landesplanung nicht in Stegen selbst, sondern auf den bereits vorhandenen Flächen in Kirchzarten berücksichtigt werden, das als industrieller Mittelpunkt gedacht ist. Das bedeutet, daß in Stegen der landwirtschaftliche Erwerbszweig erhalten und gefördert werden soll durch den Verzicht auf Industrieansiedlung. Ein solcher Verzicht der Gemeinde wirft selbstverständlich für den finanziellen Haushalt gewisse Probleme auf und sollte durch erhöhte Schlüsselzuweisungen auch honoriert werden.

Die Gemarkungsfläche hat sich nicht verändert. Sie umfaßt 548 Hektar. Davon entfallen auf Wald 178, auf landwirtschaftlich genutzte Flächen 362, auf Acker und Gärten 157, auf Wiesen 141, auf Weiden 61 Hektar. Es fällt auf, daß weder der Staat noch die Gemeinde Anteil an der 178 Hektar großen Waldfläche hat, vielmehr befindet er sich zum großen Teil in von Kageneckschem oder bäuerlichem Besitz.

Der Verkehr
Aufgabe der Planung war es auch, eine Verkehrslösung zu suchen, durch die Stegen vom fließenden Verkehr nur noch gestreift wird, von dessen Nachteilen aber frei bleibt. So soll die heute Stegen durchziehende Landstraße Nr. 127 aufgehoben werden und unter Umgehung sämtlicher bebauter Ortslagen neu angelegt werden. Aber - wie lange wird das dauern? Die heutige Ortsstraße stellt in der Tat für den gesamten Durchgangsverkehr eine Gefahrenstelle erster Ordnung dar. Die teilweise lebensbedrohende Enge durch den Ortskern Stegen müßte zwischenzeitlich einer Lösung zugeführt werden. Der Satz von Regierungspräsident Dichtel - Erbarmt euch dieser Straße! - sollte die zuständigen Stellen mahnen, hier Änderung zu schaffen, vor allem anderen. Als Zuführungsglied zwischen St.Peter - Notschrei - Wiesental und Freiburg - St. Peter - Elztal, ist die Bedeutung einer Umgehungsstraße, oder aber eine bis dahin zu schaffende Verbreiterung der Ortsdurchfahrt, angedeutet. Die Einwohner von Stegen, Eschbach und St.Peter vertreten die Auffassung, daß dieser Straße das Interesse des Straßenbauamtes gelten sollte. Wer den täglichen Verkehr in den Morgen- und Abendstunden oder an den Sonntagen erlebt,  wird dieses Verlangen verstehen, Es ist schwer* verständlich, daß hier nicht längst nach einer Lösung gesucht wurde. Hervorzuheben ist, daß die geplante Umgehungsstraße kreuzungsfrei angelegt werden soll, so daß-die Landstraße 127 deklassifiziert werden kann, weil sie dann nur noch dem örtlichen Verkehr nach Kirchzarten dient.

Der Sportplatz
Was noch der endgültigen Lösung bedarf, ist der Kauf eines Geländeteils im Gewann „Stockacker“, auf dem der Flächennutzungsplan einen Sportplatz vorsieht. Dieses Gelände, das in .unmittelbarer Nähe der neuen Volksschule liegt, besitzt alle Voraussetzungen. Wie zu erfahren war, ist Bürgermeister Metzger mit dem Besitzer bereits in vorbereitende Verhandlungen eingetreten, so daß zu hoffen ist, daß der Sportplatz noch in diesem Jahr angelegt werden kann.

Im Schlußteil des Flächennutzungsplans gibt Professor Heck seinen Vorstellungen Ausdruck. Er habe in dem Plan die Entwicklung der Gemeinde Stegen in den nächsten 25 bis 30 Jahren aufgezeigt, jedoch in der Frage der baulichen Entwicklung einen Endzustand mit etwa 2500 Einwohnern angestrebt. Er hält ein weiteres Anwachsen der Wohngebiete mit Rücksicht auf das Orts- und Landschaftsbild nicht für erstrebenswert. Er habe es vielmehr als seine Hauptaufgabe gehalten, die Schönheit der Landschaft zu erhalten und die Gestaltung der Planung so abzustirmmen, daß das heutige Gepräge nicht grundlegend verändert wird. Ob diese Einstellung nicht durch die Wirklichkeit revidiert wird, bleibt abzuwarten.
H.K.