Vilgis / Alte Kapellen im
Dreisamtal bei Freiburg i.Br.

Die Schlangenkapelle im
hinteren Attental.
Bei dem zur Gemeinde Wittental
gehörigen Weiler Attental – 1276 „ze Attendal“ -, etwa 1 ½ Stunden von
Freiburg entfernt, im hinteren Attental, oberhalb des alten, an den Berghang
angelehnten Henselerhofes, liegt auf einer Anhöhe am Waldrande die
Schlagenkapelle, heute ein trauriges Bild von Zerfall.
Die kleine, sehr baufällige Kapelle mit rechteckigem Grundriß und nur einem
kleinen Fenster in der Südseite, hat ein Schindeldach mit kleinem
dachreiterartigem Gebilde aus Blech. Über dem Eingang im Giebelfelde befindet
sich ein Kruzifixus, dessen Kopf ziemliche Zerstörungen aufweist. Das Innere
des Kapellchens ist von dem eingestürzten Mauerwerk der Ost- und Westwand mit
einem mit Drahtgitter abgeschlossen; eine Türe fehlt. Auf dem Altärchen steht
eine aus Holz geschnitzte, zirka 50 cm hohe Marienstatue mit Kind, deren Gewand
rot, Mantel bzw. Überwurf blau gemalt sind und die reichliche Goldverzierung
hat. Ferner ist noch eine kleinere, ebenfalls aus Holz geschnitzte Madonna mit
derselben farbigen Gewandung, aber mit nacktem Christuskind auf dem Arm,
vorhanden. Beide Figuren scheinen sehr alt zu sein und auch einen gewissen Wert
zu haben, wie die Statuen in der Kapelle beim Breitehof. Von einem Liebhaber
dieser beiden Marienstatuen wurde, wie der Besitzer des Henselerhofes, seit 1905
Pius Janz, mitteilte, die eine der Figuren als die Mutter Anna erklärt. An der
Westwand hängt eine Votivtafel, eine handwerksmäßige Malerei, den hl.
Wendelin darstellend, umgeben von Pferden, Kühen, Schafen, Ziegen Gänsen und Hühnern;
in den Wolken am Himmel erscheint die Jungfrau Maria. (Figuren und Bild hat
Hofbesitzer Janz im Gewahrsam, seitdem die Kapelle sich in baufälligem Zustande
befindet). Daneben an der Ostwand hängen noch viele kleiner Heiligenbilder
aus der Zahl der vierzehn Nothelfer, grelle Farbdrucke in den früher üblichen
schwarzen Kartonrahmen. 1902 wurde das Kapellchen von dem früheren Besitzer des
Henselerhofes, Karl Thoma, etwas renoviert, d.h. es erhielt einen Anstrich von
blauer Farbe. Der Henselerhof, dessen jeweilige Besitzer auch Betreuer der
Schlagenkapelle sind, scheint sehr alt zu sein; an Jahreszahlen ist nur die Zahl
1736 über einer Türe vorhanden.
Über die Entstehung der
Kapelle schreibt E.H.Meyer „Badisches Volksleben im 19. Jahrhundert“, Straßburg
1900): Seite 79/80; 495/96.
„Einst, man sagt vor ein paar
hundert Jahren, wurde der Henselerhof im hinteren Attental, das noch heute reich
an unschädlichen Ringelnattern wie an giftigen Kreuzottern ist, (Kreuzottern dürften
in der Gegend von Freiburg heute wohl kaum mehr anzutreffen sein) von Schlagen
derartig heimgesucht, daß der Bauer der allerseligsten Jungfrau Maria eine
Kapelle gelobte, um von der Plage befreit zu werden. (Die Schlangenkapelle in
Vöhrenbach i. Schw. verdankt der gleichen Ursache ihre Entstehung) Wirklich
bleiben seit der Erbauung der Kapelle die Schlangen fort. Oben über dem Hof
steht noch heute mit weiter Aussicht die mit einem Marien und einem
Sebastiansbilde (Ein Sebastiansbild befindet sich nicht mehr in der Kapelle.
Ob ein solches je vorhanden war, oder wohin es gekommen, vermag der jetzige
Hofbesitzer nicht anzugeben) geschmückte Schlangenkapelle, scherzhaft auch
„Flohkapelle“ genannt, weil vorüberziehende Handwerksburschen wohl auf den
Bänken ihres offenen Vorraums übernachten.“ Letzteres dürfte wohl nicht
ganz zutreffen. Der Vorraum ist so klein, dass rechts und links auf den
angebracht gewesenen Bänken je eine Person, und zwar sitzend, Platz gehabt hätte;
auch liegt die Kapelle so abseits von jeder Verkehrsstraße, dass „ von öfterem
Nächtigen von vorüberziehenden Handwerksburschen“ dort oben wohl schwerlich
die Rede sein kann, da der beschränkte Raum nicht dazu einladet. Der Name
Flohkapelle dürfte wohl einen anderen Ursprung haben. Vielleicht weiß ein
Leser eine Erklärung. Weiter erwähnt Meyer: „Zu Mariä Lichtmeß, am 2.
Februar, betet der Bauer des Henselerhofes mit seinem ganzen Hofgesinde droben
in der Schlagenkapelle nach dem Mittagessen drei Rosenkränze, und nach der
Heimkehr muß ein Kind oder, wenn eines fehlt oder es noch zu klein ist, der
Hofbauer selbst dreimal eine Kette an der Berglehne ums Haus ziehen, um die
Schlagen abzuhalten. Das geschah noch 1895 und wird auch wohl noch jetzt
geschehen.“ Dieser Brauch wurde bis 1905 vom früheren Besitzer ausgeübt, während
der jetzige Besitzer in zwar noch kennt, aber nicht mehr ausübt.
Dieser Brauch geht auf uralten Schlangenzauber und Schlangenbeschwörung zurück,
auf Schlangenbannübungen, die wohl zum Teil als Reste alter kirchlicher
Benediktionen, aber auch als heidnische Frühlingsreinigungen zu betrachten
sind. Einst, da die Alemannen und Franken in den Gegenden des heutigen Baden
christianisiert wurden, mochten sie noch bei der Unkultur des Landes von
allerlei Gewürm zu leiden gehabt und deshalb die Glaubensboten um dessen Beschwörung
gebeten haben. Diese nahmen eine solche wohl vor dem Nahen des Frühlings, wo Kröten
und Schlangen sich anschicken, den Winterschlaf zu beendigen, vor, und zwar am
Tage des Apostelfürsten, Petri-Stuhlfeier, 22. Februar.
Die Sintlasau (Insel Reichenau), die voller giftigen Gewürms war, reinigte der
hl. Pirmin, indem er ein Kreuz unter Gebet aufrichtete; drei Tage soll der
Bodensee von den abziehenden Schlangen und Kröten bedeckt gewesen sein.
Zahlreich sind in Baden die veschiedenartigen Gebräuche, die alte Beschwörungsformeln
gegen Schlangen und Kröten enthalten, von welchen das sogenannte „Peterlispringen“
im Kinzig- und Harmersbachtal, der „Krotten- und Schlangentag“ und der
„Storchentag“ in Haslach Erwähnung finden sollen. In Mittelbaden besonders
findet das Schlangenaustreiben statt. Bereits am Vorabend des 22. Februar,
Petri-Stuhlfeier, an vielen Orten an diesem Tage selbst, ziehen die Schulkinder,
nachdem sie vorher genau die notwendigen uralten Sprüchlein gelernt, die sich
von Mund zu Mund fortpflanzen und erhalten, mit Körben, Säcken und Taschen
versehen von Haus zu Haus, um ihre Gabe (Geld, Äpfel, Birnen, Nüsse, Schnitze,
Backwerk u.a.) in Empfang zu nehmen. Sie fragen in den Häusern:“ Dürfen wir
die Krotten und Schlangen jagen ?“ Dann laufen sie mit einer Schelle und einer
Kette im Hause herum oder springen dreimal ums Haus, um die Brunnen herum,
klingeln und klopfen an die Wände mit dem Hauptruf:
Es wäre zu wünschen, dass
die Schlangenkapelle nicht ihrem gänzlichen Zerfall entgegengeht. Mögen die maßgebenden
amtlichen Stellen auf die Erhaltung dieses Kulturdenkmals ihr Augenmerk richten,
zumal die Wiederherstellungskosten bei dem nicht sehr großen Umfange der
Kapelle sehr mäßig sein dürften.
(Herr Hauptlehrer Aigeltinger in Wittental hat sich in dankenswerter Weiße
bereits der Kapelle angenommen und die vor derselben liegenden Steine in der Nähr
zur späteren Wiederverwendung aufgeschichtet.)
Aus:
Franz Kern
Das Dreisamtal mit seinen Kapellen und Wallfahrten, 1986
Am
leichtesten erreicht man die mit vielen Geheimnissen umrankte Schlangenkapelle
von Wittentat aus, indem man das Fahrzeug im Talabschluß beim Recklehof stehen
läßt und die 20 Minuten zu Fuß geht, wobei man nebenbei einen zauberhaften
Blick auf das Dreisamtal genießt, oder vom Attental einen etwas längeren
Aufweg unter die Füße nimmt. Auf der bewaldeten Kammhöhe zwischen dem
Attental und dem Wittental, unweit des alten Henslehofes, der ein nicht allzu
großer Berghof war, liegt die Schlangenkapelle. Sie lag längere Zeit darnieder
und bot ein Bild des Verfalls, ist aber 1953 und wieder 1978 unter tatkräftiger
und freiwilliger Mithilfe der Bevölkerung gleichsam neu erstanden, mit
schindelbeschlagenem Satteldach und mit Dachreiterchen und Glöckchen versehen.
Wieder weist die Kapelle einen kleinen Vorraum auf,
mit 2 Sitzbänken zum Verweilen oder zum Unterstehen bei Unwetter. 1953 brachte
man beiderseits 2 Sandsteintafeln an. Auf der einen lesen wir "Hier
erbauten gläubige Vorfahren eine Kapelle zu Ehren Unserer Lieben Frau im
frommen Sinn von einer argen Schlangenplage erlöst zu werden." Auf der
anderen: "Die Kapelle wurde neu errichtet Anno 1953 durch die Gemeinde
Wittental unter selbstloser Fron von Arbeitern der Firma Max Jordan
Karlsruhe."
Innerhalb des vergitterten Altarraumes steht eine
Madonna auf der Erdkugel und zertritt der Schlange den Kopf. Etwa 60 cm groß
hat sie Michael Bauernfeind nach dem Original gegossen. Den ganzen Sommer über
umgeben sie frische Feldblumen die Altbäuerin Fehr vom Reckehof, die Hüterin
des Waldheiligtums, besorgt. Auf der Vorderseite des Altares windet sich eine
Schlange.
Mit der Madonna hat es seine Geschichte: Das Original
wurde eines Tages gestohlen. Als schon der Einweihungstag der renovierten
Kapelle festgesetzt war, meldete die Polizei den Fund, einer Madonnenfigur in
der Nähe der Autobahn bei Freiburg. Es war die Original-Schlangenmadonna von
der Schlangenkapelle. Nach jenem Original, das nunmehr sicher im Gerneindearchiv
Stegen verwahrt wird, ist die oben genannte Kopie gefertigt, die Madonna, die
auf dem Globus steht, der.von einer Schlange umwunden ist.
Durch Testament ist die Kapelle längst in den Besitz
der ehemaligen Gemeinde Wittental übergegangen, die seit dem 1.Juli 1974 mit
der Gemeinde Stegen vereinigt ist.
Das alte
Volksheiligtum wird gerne aufgesucht,
An einem Maisonntag wird dort eine Maiandacht
gehalten, wozu jeweils die Originalstatue in die Kapelle gebracht wird.
Über die Entstehung dieser Kapelle schreibt E. H.
Meyer in “Badisches Volksleben im 19.Jahrhundert”. (Straßburg, 1900, S.
79/80):" Einst, man sagt vor ein paar hundert Jahren, wurde der Henselerhof
im hinteren Attental, das noch heute reich an unschädlichen Ringelnattern wie
an giftigen Kreuzottern ist, von Schlangen derartig heimgesucht, daß der Bauer
der allerseligsten Jungfrau eine Kapelle gelobte, um von der Plage befreit zu
werden. Wirklich blieben seit der Erbauung der Kapelle die Schlangen
weg..."
Kann
das wahr sein? - Straßenwart i.R. Otto Thoma, Eschbach, Mittetal 19, dessen Heimat der Albrechtenhof im Attental ist, erzählte dem Verfasser
am
19.1.1983, daß er als Hirtenbub oft bis zu einer Stunde zum "Ausfahren des
Viehs" auf die weitläufigien Weidberge gebraucht habe.
Die Weidberge um den Henselerhof habe man gerne
gehabt, weil es dort "Obst zu klauen" gegeben habe. Und um den
Henselerhof, als auch um den Hugenhof herum, seien Schlangen gekrochen. Die
Dienstboten der beiden Höfe, etwa 10-15 Jahre älter als er, haben ihm und
seinen Geschwistern erzählt, daß die Schlangen ums Haus herum daheim seien und
daß sie sogar nachts in den StalI zum “Katzentrögle" geschlichen seien,
in welches die Bauersleute Milch für die Katzen geschüttet hatten.
Gelegentlich habe man die Schlangen mit dem Besen und mit Gabeln aus dem Stall
hinausgeworfen.
"Des isch kei Witz, des isch Tatsach"! Mit
soIchen Worten unterstreicht er den Wahrheitsgehalt des Erzählten; und er
findet auch einen plausiblen Grund für die Schlangenplage an jenen Südseiten.
Die Schlangen suchen Wärme und darum suchen, sie nachts die Holzställe der
Rinder auf und machen diese "verrückt". Ihr beliebter Aufenthaltsort
sei aber auch der Misthaufen gewesen.
Früher
wurde der Kuhdung nur ein, einziges Mal und zwar im Frühling auf die Felder
gefahren. So blieb der Dunghaufen, in ständiger Gärung, Wärme erzeugend, und
die Schlangen suchten zum Ruhen und Eierlegen den Misthaufen auf. Das war dann
die natürliche Brutstätte der Ringelnattern und Ottern. Seitdem nunmehr der
Mist mehrere Male im Jahr weggeführt wird, hätten die Schlangen ihre Brutstätten
verloren und sich von den Höfen entfernt. Und er erzählt weiter: "Ich
selber hab später 5 Jahr im Berghiisle von Löwenwirts gwohnt. Do hets noch
gnueg Schlange gha. Im Summer han ich sie jede Tag sähne könne. Mi Frau het
sie gfirchtet". Und er erzählt, wie er beim Grasmähen gelegentlich eine
Schlange vor der Sense Reißaus nehmen sah. “Ich selber hän dann zweimol
Mischt rusgfahre. Deno hän sie d'Brutstätte verlore. Jetzt gitts nur noch e
paar einzelne. Aber grad gnueg hets früher gha." - Soweit einiges von der
herzhaften Erzählung eines alten Attentälers. Der kritische Mensch der
Gegenwart mag davon halten, was er will. Er wird aber wenigstens gelten lassen,
daß Schlangen etwas mit der Entstehung der Schlangenkapelle zu tun haben. Auch
Otto Thoma schwächt etwas ab: “Ich hab selber Schlange hinter dem Henselerhof
gsähne. Aber daß sie nachts in de Schtall sin, des hän Dienstbotte verzellt.”
Als Kinder und junge Menschen seien sie früher oft
zur Schlangenkapelle an Sonntagnachmittagen gelaufen, aber weniger wegen des
Rosenkranzgebetes, als wegen der guten und reichlichen Walderdbeeren in der Nähe.
Daß die Entstehung der Kapelle im Zusammenhang mit
der Schlangenplage steht, ist nicht zu bezweifeln. Fr. Aug. Metzger, Hauptlehrer
in Wittental, hinterließ ein handschriftliches, heimatkundlichen Themen
gewidmetes Manuscript, das vom Jahre 1894 datiert und dessen Angaben glaubwürdig
sind. So schreibt er bei der Schilderung heimatlicherTiere:
"Auch die Schlange spielt eine
Rolle. Bei einem kleinen Bauernhofe ganz im hinteren Attenthal an einer
Berglehen steht etwa 500 m davon entfemt die sog. "Schlangenkapelle";
welche erbaut wurde infolge eines Gelübdes, welches der frühere Bauer gemacht,
wenn die Schlangen seinem Hause fernbleiben. Das Haus soll fürchterlich von
diesen Tieren (Kreuzotter = Pelias berus bek. sehr giftig!) heimgesucht worden
sein. Nachdem die Kapelle erbaut u. eingeweiht war, so seien die Schlangen
ferngeblieben bis jetzt. Es hat sich in diesem Bauernhause ein Brauch erhalten,
an dem zäh festgehalten wird. Jedes Jahr an Maria Lichmeß beten die Leute
dieses Hofes nach dem Mittagessen drei Rosenkränze. Nachher muß ein Kind
dreimal eine Kette ums Haus ziehen, um so die Schlangen abzuhalten. (Diese
Giftschlange kam früher hier sehr häufig vor u. tritt auch jetzt noch verhältnismäßig
zahlreich auf; wie auch die ungiftige Ringelnatter Tropidonatus natrix). Ich sah
selbst vor einigen Jahren wie ein Bauer beim Dungführen im Frühjahr aus einem
Misthaufen 37 Stück gezogen. Wo er mir eine Freude machen wollte, so ließ er
mich rufen, weil ich mich seit Jahren mit dem Studium der Kriechtiere u.Lurche
befasse u. setze die schönsten Exemplare in meine Terrarien. Im Sommer 1893
fing ich an einem Tage hier 4 Ringelnattern u. 12 Kreuzottern, darunter 7 junge.
Die Gegend ist für diese Tiere besonders geeignet.) Allgemein ist der Glaube
verbreitet, die Schlangen saugen den Kühen die Milch aus... _" Somit dürfte
auch der 'Wahrheitsgehalt der Erzählungen von Herrn Otto Thoma bestätigt sein.
Aber die Frage bleibt, wann die erste Schlangenkapelle
entstand. Auf dem Sickingen'schen Plan H/1 Wittental, welcher die dem
Freiherrengeschlecht von Sickingen gehörenden Besitzungen aufweist und der am
6. Oktober 1780 angefertigt und datiert ist, ist die Schlangenkapelle schon
verzeichnet, wie auch die Martinskapelle beim Baldenwegerhof, die aber kurz,
nach 1800 abgegangen ist. Maria Thoma, geb. Walter, wohnhaft in Kirchzarten,
sagte dem Verfasser am 11.10.1984, daß ihr Eheman Karl Thoma, 1904-1967, öfters
erzählt habe, sein Vater Karl Thoma, 1857‑1924, habe die Kapelle erbaut.
Es ist anzunehmen, daß der Genannte, der 1882 auf den Henslehof heiratete,
anstatt einer ersten hölzernen Kapelle einen massiven Kapellenbau aufrichtete,
auf dessen baufälligen Zustand schon 1936 hingewiesen wurde. Emmy Saier, geb.
Thoma, Kirchzarten, schildert: "Unser Vatter, (Josef Thoma, 1899-1968, ein
Bruder des vorigen Karl) hett uns Kinder ufm Ofebank oft verzellt, wie sie als
kleini Buebe die schweri Kette um de Hof rum zoge hän, um die Schlange zue
vertribe, un d´inne in de Stube hän Vätter un Muetter un die Maidli de
Rosekranz bättet."
Als die Gemeinde Wittental dann in den Besitz von Hof
und Kapelle gelangt war, ging sie daran das alte Kulturdenkmal zu erneuern, es
mit Schindeln zu verkleiden und mit einem Dachreiter und einem Glöckchen, das
keinerlei Aufschrift hat, zu verzieren. Arbeiter der Baufirma Jordan, die damals
die Hochspannungsleitungen bauten, machten sich dabei verdient. Am Christi
Himmelfahrtsfest des Jahres 1953 wurde das Kleinod vom Kirchzartener Pfarrer
Erminold Jörg unter Mitwirkung der Wittentaler Musikkapelle, des Kirchzartener
Kirchenchores und in Anwesenheit vieler Dreisamtäler, die sich heute noch an
das Volksfest erinnern, feierlich eingeweiht.

Für
frdl. Mithilfe danke ich Herrn Otto Thoma; Herrn Steinhardt, Pfarrer Josef Hog
und Bürgermeister Klaus Birkenmeier.
Literatur:
K.F. Vilgis, Alte Kapellen im DreisamtaL In "Mein Heimatland" 1936,
290 f,
Geschichte
der Pfarrei Kirchzarten von Max Weber 1967 Nachtragsband
"Die
Schlangenkapelle im hinteren Attental erinnert daran, dass dieses Tälchen
einstens besonders von Kreuzottem heimgesucht war. Die schon zum Teil verfallene
Kapelle ging durch Testament in den Besitz der Gemeinde über. Diese erneuerte
sie alsbald, größtenteils mit freiwilligen Helfern. Bürgermeister Hug und
Hauptlehrer Eckenfels gingen voran. Gern halfen aber auch die Arbeiter einer
Karlsruher Baufirma, die gerade eine elektrische Fernleitung anlegten, in ihren
Freistunden. So konnte auf der Höhe zwischen Attental und Wittental das uralte
kleine Volksheiligtum wieder neu entstehen. Die Feier seiner neuen Weihe am
Himmelfahrtstag 1953 wurde zu einem kleinen Volksfest”.
Anmerkung: Pfarrer Erminold Jörg
von Kirchzarten ( von 1952 ‑ 1955) weihte die Kapelle ein.
Badische Sagen
Gesammelt und Herausgegeben von Dr. Johannes Künzig 1923
Die
Schlangenkapelle
“Im
Hinteren Attental an einer Berglehne, etwa 500 Meter von einem Bauernhof
entfernt, steht die sogenannte Schlangenkapelle, welche einem Gelübde ihre
Erbauung verdankt. Der Bauernhof war jahrelang von Schlangen heimgesucht, so
dass der Bauer gelobte, eine Kapelle zu bauen, wenn die Schlangen von seinem
Hause fernblieben. Die Kapelle wurde eingeweiht - und die Schlangen kamen nicht
mehr. Zum Dank dafür betet man auf dem Bauernhofe noch jetzt jedes Jahr an Mariä
Lichtmeß drei Rosenkränze. Nachher muß ein Kind eine Kette dreimal ums Haus
ziehen, um die Schlangen abzuhalten”.
Auszug aus dem Protokollbuch
des Musikvereins Wittental
" Durch Gemeinde-Eigentum des
Henslehofs, wurde in kurzer Zeit die zerfallene Schlangenkapelle (früher
Flohkapelle genannt) wieder neu aufgebaut. Am 11. Mai (Christi Himmelfahrt) war
diese feierliche Einweihung, durch H.H. Pfarrer Jörg von Kirchzarten, die
Mitwirkenden zur Verschönerung der Einweihung derselben waren die Musikkapelle,
sowie der Kirchen-Chor von Kirchzarten. Anschließend ging es in das Gasthaus
zum Bankischen Hof, welcher in kurzer Zeit voll besetzt war, so die Musikkapelle
den anwesenden Gästen, ihr musikalisches unter Leitung von Herrn Kirner
darbot". Geschehen am 14. Mai 1953
Der Schriftführer
Anmerkung: Schriftführer war
Wilhelm Ganter aus dem Attental (1939 - 1978)